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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach

La Capricciosa, Goldberg-Variationen

Christine Schornsheim

Capriccio/Naxos C5286
(106 Min., 2/2016) 2 CDs

Über den Einfluss des Organisten Dietrich Buxtehude auf Johann Sebastian Bach gibt es keine zwei Meinungen. Was aber Buxtehude als den geistigen Paten von Bachs „Goldberg-Variationen“ angeht, da zerbrechen sich Musikwissenschaft und Interpretenzunft immer noch die Köpfe. Worum geht es? Um Buxtehudes Variationsreigen „La capricciosa“ BUXWV 250, der mit seinen 32 Stücken genauso umfangreich ist wie eben Bachs berühmtes Cembalo-Pendant. So hat etwa jüngst der luxemburgische Pianist Francesco Tristano angesichts so mancher Parallelen die These aufgestellt, dass jede Bach-Variation im Grunde ein Update einer Buxtehude-Variation sei. Und erst recht kann es kein Zufall sein, dass das Ausgangsthema von „La capricciosa“ sich bei Bach im finalen Quodlibet in Form des verwandten Volksliedes „Kraut und Rüben“ wiederfindet.
Auch Christine Schornsheim weist in ihrem Booklettext zur eingespielten Gegenüberstellung der beiden Variationszyklen auf solche Tatsachen hin. An weiteren Spekulationen beteiligt sie sich aber nicht, sondern lässt lieber die Musik sprechen. Und da steht das Urteil schnell fest. So wie Schornsheim sich an dem volltönig leuchtenden Nachbau eines Mietke-Cembalos von 1710 auf die Reise in die Wunderwelt deutscher Barockmusik macht, kommt man sehr gut auch ohne die Lösung solcher musikhistorischer Fragen aus. Zumal Schornsheim über eine Palette an Farben verfügt, die allein schon aus jeder der Buxtehude-Variationen eine kleine wertvolle, verlockend schöne und nuancenreich schimmernde Perle macht. Außerdem besitzt bei der Musikerin alles Hand und Fuß, Stil und Geschmack. Was selbst für die „lebendigen“ Verzierungen gilt.
Einen Gang höher schaltet Schornsheim sodann bei Bach und da, wo Drive gefragt ist. Wobei sie stets auf äußerste Klarheit bedacht ist. Untadelig ist das alles vorgetragen. Aber nicht selten hat man den Eindruck, dass Schornsheim ihren Bach inzwischen vielleicht doch allzu gut kennt. Dagegen wirkt ihr Buxtehude wie eine aufregend neue, junge Liebe.

Guido Fischer, 21.01.2017



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