Responsive image

Me & You

Edward MacLean

R3w-Records/Cargo 00105485
(44 Min., 8/2016)

Lehnen Sie sich zurück. Lassen Sie die Seele baumeln. Edward MacLean und Band untermalen die besinnliche Stunde mit den passenden Klängen – und das auf Top-Niveau. Denn der umtriebige Hamburger Bassist, der unter anderem mit den „Söhnen Mannheims“ tourt, verzaubert auf dem eigenen Album „Me & You“ mit neun Titeln, bei denen jeder Ton Gewicht hat und die trotzdem auch als akustische Raummöblierung taugen. Mit Christian Kögel hat er einen Gitarristen neben sich, der mittels weniger markanter Töne Melodien erschafft und Stimmungen entstehen lässt. Elemente von Soul, R&B und Country finden sich in seinem Spiel, oder wenn man Namen verwendet: Einflüsse der Gitarristen Bill Frisell, John Abercrombie, Mick Goodrick und John Scofield und dessen Offenheitsmagiers Paul Motian. Der Schlagzeuger Tobias Backhaus unterstützt das Geschehen eher perkussiv, wobei ihm häufig der Besen lieber als die Sticks erscheint und er zudem Becken und HiHat gegenüber den Trommeln bevorzugt. Dieses Kerntrio versorgt der Keyboarder Matti Klein mit wohldosierten Sounds aus den in den 1960ern aktuellen Fender- und Wurlitzer-E-Pianos, mengt also gezielt modische Retro-Sounds ins Geschehen. Der Fünfte im Bunde, der Saxofonist Sebastian Borkowski, sorgt mit wohligen Melodien, flächigen Tönen und dezenten Stakkati für zusätzliche Farbe im dezenten Klanggespinst. Indem diese fünf Instrumentierungsschwerpunkte ständig wechseln, indem sie die Themen fortlaufend variieren und dabei Zwischenräume für Einwürfe der Partner lassen, halten sie das Spannungsniveau hoch. Zurücklehnen und genießen heißt in diesem Fall, in den Fluss der Töne einzutauchen, sich tragen zu lassen, tausenderlei Finessen zu entdecken, sich zu jedem Moment ein- und ausklinken zu können und trotz der elastischen Intensität Zeit für eigene Gedanken zu haben.

Werner Stiefele, 21.01.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top