Responsive image
Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach (Italienisches Konzert, Vier Duette, Partiten Nr. 1 B-Dur und Nr. 3 a-Moll u.a.)

Rafał Blechacz

Deutsche Grammophon/Universal 479 5534
(65 Min., 1/2012 & 2/2015)

Das „Gelblabel“ kann auch heute noch ohne Schnickschnack für gediegene Qualität stehen: Das Bach-Rezital des polnischen Anfangdreißigers Rafał Blechacz (in dessen Namen das nationalsprachliche Sonderzeichen offenbar noch nicht weg-internationalisiert wurde) ist ein beglückendes Beispiel dafür.
Eine virtuos-elegante Version des „Italienischen Konzerts“ eröffnet das Programm – brillant durchstrukturiert im selbständigen polyphonen Miteinander der Stimmen, zwanglos den Möglichkeiten des modernen Flügels angepasst, mit einem poetisch, aber dennoch angenehm objektiv dargebotenen Mittelsatz.
Später begegnen wir den eigenwilligen „Vier Duetten“ BWV 802-805, für die Blechacz den Beweis antritt, dass sie nicht nur intellektuelle „Tours de force“ eines fanatischen Kontrapunktikers sind, sondern genügend sinnlichen Reiz aufweisen, um auch einem breiteren Publikum präsentiert werden zu können. Und am Ende des Programms bekommen wir Myra Hess‘ Bearbeitung des berühmten Chorals aus der Kantate 147 zu hören – ein Tribut an die Tradition des romantisch geprägten Bach-Spiels der vor-historisierenden Epoche, das wir gern genießen. Denn wir haben zuvor außerdem die Partiten Nr. 1 (B-Dur) und Nr. 3 (a-Moll) gehört, die Blechacz präzis und interpretatorisch überzeugend innerhalb des in ihnen kompositorisch angelegten Spannungsfeldes zwischen stilisierter Tanz-Musikalität und kontrapunktischem Anspruch verortet. Eine Bach-Sicht in der Pogorelich- und Anderszewski-Tradition, die Freude macht.

Michael Wersin, 11.02.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wanderpokal: Von Lübeck aus, wo er 39 Jahre Organist an der Marienkirche war und in nur hundert Schritten von seiner Wohnung zur Arbeit und wieder zurück kam, brachte Dietrich Buxtehude die ganze Musikwelt des Barock in Bewegung. Seine Abendmusiken hatte er aus einer schönen Lübecker Tradition weiterentwickelt: Bevor die Bürger zum Handeln in die Börse gingen, begaben sie sich noch einmal zur moralischen Entschuldung in die Marienkirche und wurden dort vom Organisten mit Musik […] mehr »


Top