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Sleepwalkers

Omer Klein

Warner 9029589089
(60 Min.)

Eine kurze Aufmerksamkeitsspanne kann man dem israelischen Pianisten Omer Klein, der sein Jazzstudium als Teenager in der Heimat begann und in Boston und New York bei Danilo Perez sowie Fred Hersch lernte, wahrlich nicht unterstellen. Und doch ist die beständige Ablenkung durch Smartphones und soziale Medien eines der Hauptthemen seines inzwischen siebten Albums.
„Sleepwalkers“ und „Don't Be A Zombie“ beziehen sich im Titel explizit auf die narkotisiert wirkenden Bildschirmwischer in unseren Innenstädten. Aber Klein und seine beiden langjährigen Trio-Partner Haggai Cohen-Milo am Bass und Amir Bresler am Schlagzeug halten ihnen nicht hysterisch den Selfie-Spiegel vor, sondern verwandeln das somnambule Schlurfen der Smartphone-Junkies in sanfte Tanzschritte.
Aus dem insistierend wiederholten Klingelton-„a“ entwickelt Klein im Titelstück ein romantisierendes akkordisches Melodiengeflecht und zeigt seine blitzsaubere Solistenkunst, während er in der Vignette „Don't Be A Zombie“ mit Handclaps den unorthodoxen Drumbeat Breslers kommentiert. In „What's On Your Mind?“, der englischen Entsprechung der Facebook-Frage „Was machst du gerade?“, wird das Trio freilich expliziter in seiner Haltung zur Aufmerksamkeitsökonomie der Gegenwart: Ameisenhafte Steve-Reich-Pattern auf dem Klavier treffen da auf Stolpergrooves vom Schlagzeug und verwandeln sich in einen geisterhaften Loop.
Es ist die experimentelle Ausnahme auf einem Album, das in erster Linie die feine Flexibilität des Trios zum Aufleuchten bringt. Denn Klein, Cohen-Milo und Bresler verstehen sich nicht nur auf klangsensiblen Kammerjazz mit angepoppten und leicht orientalisierenden Tönen, sondern können auch schön dreckig sein – etwa im an Ramsey Lewis gemahnenden Boogaloo „Underdog“ oder in dem grinsend Medeski, Martin & Wood grüßenden „Blinky Palermo“. Abwechslung statt Ablenkung ist das Motto.

Josef Engels, 11.02.2017



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