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Johann Sebastian Bach

Actus tragicus (Kantaten BWV 106, 150, 131, 12)

Vox Luminis, Lionel Meunier

Alpha/Note 1 ALP258
(84 Min., 4 & 7/2016)

Wenn Meunier und seine Leute sich einer Sache widmen, gibt es interpretatorisch immer etwas Besonders zu entdecken. Dies gilt auch bei einem vergleichsweise häufig eingespielten Repertoire wie den frühen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Schon die „Sonatina“ der berühmten Begräbnismusik BWV 106 („Actus tragicus“) lässt aufhorchen: Dem Autor ist keine andere Einspielung bekannt, wo der Continuo-Organist nicht mit liegenden Klängen, sondern mit achtelweise repetierten Akkorden arbeitet. Bart Jacobs, der hier übrigens an einer „richtigen“ Orgel (nicht an einer Truhe) sitzt – auch dies eine absolut bemerkenswerte Besonderheit! –, weiß auch an anderen Stellen Akzente zu setzen: So dicht ist der Mittelsatz von BWV 106 harmonisch noch nirgends anders gedeutet worden.
Meunier arbeitet mit einer solistischen bzw. mit doppelter Sängerbesetzung, was – zumal für frühe Kantaten – nicht ganz außergewöhnlich ist. Er hat aber mit Zsuzsi Tóth, Tomáš Král, Daniel Elgersma und Philippe Froeliger erstklassige Sänger, die sowohl im Ensemble als auch allein vollauf befriedigen. Insgesamt ergeben sich für das bekannte Repertoire eine Menge neuer klanglicher Aspekte und Aha-Effekte im Detail, die man so noch nicht wahrgenommen hat. Daher darf auch jemand, der schon eine Menge Bach im Schrank hat, sich über diese neue Version freuen.

Michael Wersin, 18.02.2017



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