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Wolfgang Amadeus Mozart

Frühe Sinfonien (Musik und Briefe)

Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt

DHM/BMG 82876 58706-2
(230 Min., 12/1999, 12/2000 (Musik); 11/2003, 4/2004 (Sprache))

"Allerliebste Mama" plaudert die aufgeweckte Kinderstimme drauflos "mein Herz ist völlig entzückt, aus lauter Vergnügen, weil mir auf dieser Reise so lustig ist, weil unser Kutscher ein galanter Kerl ist, welcher, wenn es der Weg nur ein bisschen zulässt, so geschwind fahrt". Was folgt, das sind einfache lustige Dreiklangsmotiv, mit dem Mozarts erste Sinfonie beginnt - und ein Schock: Denn nur ein paar Sekunden später plötzlich verdunkelt sich die Stimmung mit melancholischen Dissonanzreibungen bei denen man nicht für möglich halten würde, dass sie ein achtjähriges Kind bewusst hier platziert haben könnte. Hat es aber wohl doch - und der Coup ist gelungen, den Nikolaus Harnoncourt mit Hilfe seiner Enkel Maximilian und Laya geplant und durchgeführt hat.
Sie alle drei lesen zwischen den Aufnahmen der frühesten sechs Sinfonien Mozarts Zitate aus den Briefen, die Vater, Sohn und Schwester Mozart während der prägenden Reisen des Wunderkinds durch Europa schrieben. (Die ausführlichen Ausschnitte kann man sich auf einer beigelegten dritten CD anhören) Das alltägliche Wunder, mit dem sich der durchaus aufgeklärte Vernunftmensch Leopold konfrontiert sah, sein Ehrgeiz, aber auch sein Verantwortungsgefühl für das ihm anvertraute Genie, wird durch die kluge Auswahl der Dokumente und die so saftige wie ungekünstelte österreichische Diktion der Lesenden ungewöhnlich lebendig erfahrbar. Nicht weniger wichtig allerdings, wie der Dirigent Harnoncourt das Abenteuer der frühen Reisejahre auch zu einer musikalischen Entdeckungsreise macht. Gleich Vater Leopold, der für Erziehung und Management seiner Kinder das eigene Komponieren aufgab, nimmt Harnoncourt den jungen Wolfgang von der ersten Note an für voll. Und die Kompositionen halten das aus. Mehr noch: mit seinem Verständnis für die ganze bildlich-poetische Ausdruckskraft, die selbst hinter scheinbar floskelhaften Spielfiguren steckt sowie für die vielen unscheinbaren Details, die man in der souveränen Führung der Bläserstimmen entdecken kann, unterstreicht Harnoncourt nicht minder unmittelbar erlebbar die Erfahrungen, die einen komponierenden Zeitgenossen ausriefen ließen "dass dieser Knabe der größte Mann ist, welcher dermalen in der Welt lebt".

Carsten Niemann, 04.12.2004



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