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Carl Philipp Emanuel Bach

Sonaten H. 26, H. 36 und H. 286, Rondos, Fantasien u.a.

Gustav Leonhardt

Seon/Sony SB2K 61789
(88 Min., 06/1972) 2 CDs

Gestalten des Übergangs lassen sich in sehr unterschiedlicher Weise einordnen. Besonders auffällig ist dies bei den Komponisten der oft als "Sturm und Drang" betitelten Frühklassik: Da ist es nicht zuletzt Sache der Interpreten, ob sie etwa Carl Philipp Emanuel Bach mehr in Richtung des Spätbarock oder eher in Richtung der musikalischen Klassik rücken. Als Gustav Leonhardt anno 1972 für Wolf Erichsons Label Seon Carl Philipp Emanuel Bach aufnahm, kam dies zunächst einmal einer Ausgrabung gleich. Noch der Beiheft-Text zur jetzt von Sony digitalisierten und neu edierten Einspielung zählt den zweitältesten Bach-Sohn zu den "vergessenen Meistern" und wirft sich kräftig für den so genannten empfindsamen Stil als Vorboten der Romantik ins Zeug.
Was schließlich Gustav Leonhardt auf Cembalo, Fortepiano und Clavichord spielt, ist vor allem unter dem Gesichtspunkt einer Aufführungspraxis interessant, die in den letzten Jahrzehnten einem rasanten Wandel unterworfen war: Extreme, wie sie heute etwa bei Andreas Staier oder auch schon bei Ton Koopman gängig sind, wagt Leonhardt nirgends. Sehr behutsam formuliert er aus, und sein eher struktur- denn empfindungsbetontes Spiel lässt den Sprössling eher als Nachfahren des (Über-?)Vaters denn als Vorfahren eines Neuen erahnen. Demjenigen, der aufführungshistorische Dokumente sammelt, sei die Doppel-CD trotzdem empfohlen.

Susanne Benda, 01.12.1999



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