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Metamorphosis

BamesreiterSchwartzOrchestra

Okeh/Sony 88985386652
(80 Min., 11/2015)

Es geschieht nur selten, dass eine Band eine CD mit 79 Minuten und 51 Sekunden prallvoll mit Musik füllt. Noch ungewöhnlicher ist, dass das BamesreiterSchwartzOrchestra die Spannung des Tonmarathons bis zur letzten Sekunde hoch hält. Und noch mehr verblüfft, auf welch immenses Vokabular diese deutsche Bigband zurückgreifen kann. Immerhin reicht es von klassischem Powerswing über Cool-und Avantgardeklänge sowie Rockjazz bis zu HipHop-Einflüssen.
Dabei reizen sich die beiden Bandleader, der Posaunist und Dirigent Lukas Bamesreiter und der Gitarrist Richard Schwartz, gegenseitig. Sie integrieren hin und wieder den Vokalklang von vier Sängerinnen in die Pracht der zwanzig Instrumentalisten-Titel, sie untermalen beschwingte Soli mit Riffs und Flächen, sie wechseln Klangfarben, Tempi und Stile, und hin und wieder lassen sie die Band aus dem mehrstimmigen Volumen der Bläsersätze für einen oder zwei Chorusse ins Trio oder Quartettformat fallen oder sogar den Pianisten im unbegleiteten Solo über die letzten Passagen meditieren.
Die Kompositionen von Bamesreiter und Schwartz lassen das jazzübliche Nummernschema weit hinter sich. Stattdessen denken die beiden einerseits in weiträumigen Zusammenhängen und andererseits in knappen, konzentrierten Einheiten, die beim Hörer Assoziationen an Genres wie Chanson, Musical, Easy Listening, Konzertswing, Entertainment wecken. Derart unbefangen und souverän bewegten sich in der bisherigen Jazzgeschichte nur wenige Könner durch die Bigband-Tradition. Fantastisch, wie einfach und selbstverständlich die Band bei diesen facettenreichen Arrangements zu einem vom ersten bis zum letzten Ton in sich stimmigen Klangbild von 79 Minuten und 51 Sekunden Dauer vereint.

Werner Stiefele, 11.03.2017



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