Es geht ihm schon ein gewisser Ruhm voraus. Benjamin Appl hatte als BBC New Generation Artist viele Auftritte, und er ist bereits ein Favorit im Liedmekka der Londoner Wigmore Hall. Denn der Regensburger und ehemalige Domspatz lebt seit einigen Jahren in England, wo er seine Ausbildung abgeschlossen hat. Für den finalen Schliff flog er freilich immer nach München und Berlin, wo er als letzter Schüler von Dietrich Fischer-Dieskau akzeptiert wurde. Das hört man – und zum Glück auch nicht. Vorbildlich ist Appls Textausdeutung, er zieht sein Gegenüber unmittelbar in seinen Vortrag, kann dramatisch gestalten. Aber er wahrt eine unaufgeregte Erzählhaltung, die Überbetonungen des späten FiDi sind ihm fremd. Ein paar CDs gibt es von Appl schon, doch für sein Sony-Debüt hat er die Ansprüche nach oben geschraubt. Sollte er auch, er ist bald 35 Jahre alt, da muss der Durchbruch jetzt passieren. „Heimat“ heißt die CD, und das deutsch-britische Wissenschafts-Darling Neil MacGregor hat zudem einen klugen Essay fürs Booklet beigesteuert. Heimat kann geistig oder geografisch gemeint sein. Für Benjamin Appl sind es Lieder deutscher, eines französischen, eines norwegischen und diverser britischer Romantiker und Spätromantiker, die er apart kombiniert hat. Während sein Klavierbegleiter eher unauffällig bleibt, folgt man ihm gern auf seiner Notenreise. Sein angenehmer Bariton klingt hier freilich in der Höhe immer wieder ein wenig angestrengt und flach, da wünschte man sich mehr Freiheit, Expansionsfähigkeit. Live hat Benjamin Appl sie durchaus.

Matthias Siehler, 25.03.2017



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