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Gennaro Manna, Domenico Marola, Anonymus

Sacred Salterio: Lamentations Of The Holy Week

Miriam Feuersinger, Franziska Fleischanderl, Il Dolce Conforto

Christophorus/Note 1 CHR 77408
(61 Min., 4/2016)

Aus einer Continuogruppe mit Orgel und Cello sowie einem obligaten Salterio besteht die Instrumentalbesetzung der Stücke auf dieser CD. Das Salterio ist — um überhaupt eine Beschreibung für dieses ungewöhnliche Instrument zu finden — landläufig gesprochen wohl am ehesten mit einem Hackbrett vergleichbar. Verwendet wurde es im 18. Jahrhundert u. a. gern von Nonnenkonventen, und so fand sich auch im Benediktinerinnenkloster San Lorenzo in San Severo (Apulien) eine Sammlung von Stücken für dieses Instrument.
Für die vorliegende Aufnahme wurden Karwochen-Lamentationen, also vertonte Lesungen aus den Matutinen der drei Kartage, ausgewählt. Das Lamentationen-Repertoire zählt ja per se zu den interessantesten Werkgruppen der Kirchenmusik, es ist von der Renaissance bis in die Klassik mit einer gewaltigen Zahl von Vertonungen unterschiedlicher Stilistik greifbar. Ursprünglich chorisch, spielte es beim Entdecken der expressiven monodischen Vortragsweise am Beginn der Barockzeit eine wichtige Rolle, um dann im Spätbarock und in der Klassik immer wieder auch opernhafte Züge anzunehmen.
Solche erkennt man auch in den Lamentationen von Domenico Merola, Gennaro Manna und einem „Anonymus“, die Miriam Feuersinger hier höchst gekonnt vorträgt. Die ausgeprägten Koloraturen und Fiorituren in den Kantilenen sind gerade noch „keusch“ genug, um den ernsten liturgischen Anlass (das Passionsgeschehen) nicht zu kompromittieren, aber eben auch wirkungsvoll genug, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die musikalisch besonders reich gestalteten Matutinen in jener Zeit oft längst nicht mehr morgens um vier Uhr, sondern — einem breiteren Publikum zugänglich — zu zivileren Tageszeiten zelebriert wurden.
Wunderbar mischt sich der leicht verhangene Saitenklang des von Franziska Fleischanderl souverän beherrschten Salterios mit Miriam Feuersingers klarer, gerade geführter, unaufdringlich expressiver Stimme. Komponiert wurde die Musik teils für eine Frauenstimme (einer Nonne), teils für einen Kastraten. Miriam Feuersingers flexibler Interpretationsstil im kreativ ausgeschöpften Spannungsfeld von gebotener Objektivität und erwünschter Individualität lässt die Wirkung beider Besetzungsvarianten erahnen.

Michael Wersin, 08.04.2017



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