home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und kein Ende. Was für einen Werkzyklus spricht, der trotz lausiger Einspielungen und seltsamster Arrangements einfach nicht kurz und klein zu kriegen ist. Auch Daniel Hope, seines Zeichens Weltklassegeiger und musikalischer Tausendsassa, kommt von Vivaldi einfach nicht los und unterzieht ihn zeitgenössischen Neubelichtungen. 2014 brachte er zusammen mit Komponist Max Richter eine „Recomposed“-Fassung der „Vier Jahreszeiten“ heraus, die perfekt in jede Classic-Lounge passte. Nun hat Hope mit „For Seasons“ seine eigene Version zusammengestellt. Dafür hat er das Original noch einmal komplett und zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester aufgenommen (mit routiniertem Schwung und makellos virtuosem Zugriff). Und als moderne Fortsetzung des Barockklassikers folgen zwölf, zumeist für Hope & Friends arrangierte Einzelsätze quasi als jahreszeitlich passendes Klangebenbild. Der wohlig dahinplätschernde „Januar“ gebührt dem deutschen Minimalisten Nils Frahm. Aus Max Richters „Recomposed“-Projekt erklingt der ebenfalls mit repetitiven Mustern spielende „März“. Und über „Avril 14th“ der britischen Electronic-Band Aphex Twin folgen Tschaikowskis „Juni“ (aus seinem „Jahreszeiten“-Zyklus), Kurt Weills „September-Song“ bis zu einem „Wintermezzo“ des kanadischen Pianisten Chilly Gonzales. Mit diesem zwischen Schubert und Tango eingehängten „Dezember“-Satz hat Hope zugleich ein glückliches Händchen bewiesen — was man vom Gros der Stücke leider nicht sagen kann. Vieles schrammt allein schon angesichts der Buntheit der zwölf Stücke aus vier Jahrhunderten haarscharf am puren Kitsch vorbei (wie etwa Schumanns „Am leuchtenden Sommermorgen“). Außerdem wirkt das Konzept auch im Booklet zu überladen und überfrachtet: So hat Hope zwölf Werke von aktuellen bildenden Künstlern wie Caio Fonseca und Simone Haack als atmosphärisch passende Kommentare zu den zwölf „neuen“ Klangmonaten ausgesucht. Less wäre hier wirklich more gewesen.

Reinhard Lemelle, 15.04.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top