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Giacomo Puccini

Sämtliche Lieder für Sopran und Klavier

Krassimira Stoyanova, Maria Prinz

Naxos 8573501
(47 Min., 1/2016)

1989 firmierte das noch als „The unknown Puccini“, und ein als Komponisten-Doppelgänger gekleideter Plácido Domingo posierte für den Booklet-Fotografen eines seiner besseren, auf jeden Fall nachhaltigen Soloalben. Seither hat Roberta Peters ein paar Stücke dieses seltenen, aber hörenswerten Repertoires aufgenommen. Und jetzt kommt – möglicherweise als Nebenprodukt der schönsten Art nach ihrem durchaus auch Puccini-lastigen Verismo-Album – Krassimira Stoyanova mit ihrer einfach „Complete Songs For Soprano and Piano“ betitelten CD. Die macht, wie bei Naxos üblich, optisch nicht viel her, begeistert aber vokal. Nicht nur, weil die bulgarische Sopranistin zu den 14 Domingo-Titeln noch fünf weitere dazu addiert hat. Sondern weil sie diese Musik mit so viel Geschmack, Können und Liebe zu singen versteht. Und man begreift sofort wieder, warum der italienische Maestro ein Liebhaber der Frauen, ihrer Stimme wie auch ihres Körpers, gewesen ist. Wie bei vielen anderen Italienern (der experimentierfreudige Rossini mit seinen „Pêches de vielleresse“, den vokalen „Alterssünden“, einmal ausgenommen) sind Lieder/Canzoni vorwiegend Fingerübungen, Gefälligkeiten, Abfall- und Nebenprodukte der Opernwerkstatt. Aber bei Puccini erlauben sie auch einen faszinierenden Blick in die Erfindung von Melodien. Von denen, ob „La bohème“ oder „La rondine“, fast alle Opern ein Lied der Wiedererkennung zu singen wissen. Denn keine Eingebung blieb ungenutzt, fand stets bessere Verwendung. Jugendsünden, Kirchenwerke, Gelegenheitsproduktionen, zwei sogar als Duett (die Stoyanova mit sich selbst singt), im Verein mit der subtilen Pianistin Maria Prinz ist das pure Sopranentdeckerfreude. Leider gibt es nicht mehr davon.

Matthias Siehler, 06.05.2017



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