Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

Flötenkonzerte

Sharon Bezaly, Ostbottnisches Kammerorchester, Juha Kangas

BIS/Klassik Center BIS 501 53901
(56 Min., 4/2005) 1 CD

Weder die Trompete noch die Flöte hat Mozart besonders geliebt - er sei, schrieb er einmal an seinen Vater, "gleich stuff, wenn ich immer für ein Instrument (das ich nicht leiden kann) schreiben muss". Dass der Komponist trotz seiner Aversion ein neues Konzert (KV 313) für die Flöte schrieb und für ein weiteres (KV 314) ein heute verloren gegangenes Oboenkonzert transkribierte, war der schieren Pragmatik des Überleben-Müssens geschuldet: Für 96 Gulden das Stück hätte Mozart womöglich sogar Glänzendes für die Trompete geschrieben.
Da wahre Kunst immer über das rein Pragmatische hinaus geht, ist den Konzerten der Anlass für ihre Entstehung tatsächlich nicht anzuhören - zumal nicht in dieser Aufnahme, bei der sowohl das Orchester als auch die Solistin mit spürbarem Engagement zur Sache gehen. Auf historischem Bewusstsein fußen die klare Phrasierung und die strukturelle Durchhörbarkeit des Ensemblespiels. Dynamische und klangfarbliche Schärfungen hingegen sind offenbar nicht die Sache des Dirigenten Juha Kangas: Ihm geht es vor allem um ein geschmeidiges, bewegliches Begleiten jenes virtuosen Tuns, mit dem die Flötistin Sharon Bezaly hier durchaus bezaubern kann: Bei ihr hört man die Musik atmen, wirkt jeder einzelne Ton durchgeformt und dabei quicklebendig, mit Klangfarben jongliert die Solistin nach Belieben, und dazu passt, dass die Kadenzen, die Kalevi Aho schrieb, Mozart behutsam ins Heute blinzeln lassen. Derart aufgemuntert kann der Jubilar des Jahres 2006 getrost seinem 250. Geburtstag entgegensehen.

Susanne Benda, 05.11.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top