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Reflections

Christoph Beck Quartet

Double Moon/in-akustik 05711762
(54 Min., 2/2016)

Mit dem Trio „Das letzte Känguru“ sorgte der schwäbische Saxofonist Christoph Beck in letzter Zeit für Aufhorchen. Doch wer angesichts des skurrilen Bandnamens denkt, dass Beck ein besonderes Faible für abstruse Witze hat, wird mit seinem Debütalbum unter eigenem Namen eines Besseren belehrt.
Beck ist vielmehr ein frühreifer Meister der Melancholie. Denn nach „Grellgruen“, dem schwungvollen, mit kleinen Rhythmusasymmetrien spielenden Beginn der Aufnahme, der den Bläser in die Nähe von Joshua Redman rückt, dominiert auf „Reflections“ das Nachdenkliche. Sebastian Schuster setzt seinen Bass oftmals gestrichen ein und sorgt mit seinem grollenden Raunen für einen bedrohlichen Cantus firmus, den Pianist Andreas Feith als Basis für sein zwischen Klavierromantik und zupackendem Modern Jazz changierendes Spiel nutzt. Schlagzeuger Thomas Wörle fungiert als Bindeglied, das mal mit straffen unorthodoxen Rock-Grooves oder federleichten Bossa-Andeutungen für Zusammenhalt sorgt, mal frei schwingend allen Raum zum konzentrierten Atmen gibt.
Diese Mitmusiker sind die adäquate Leinwand für die Kompositionen des Bandleaders, die gewissermaßen in „Fifty Shades Of Grey“ die Zwischentöne düsterer Bewusstseinszustände ausloten. Das schleppende „Castellezgasse“ etwa bewegt sich zwischen Requiem und Radiohead, „Nutzlos“ klingt zuweilen wie ein trauriges Volkslied aus dem Nahen Osten, „Unbekannte Schatten“ mit seinem bedächtig schreitenden Basso ostinato wirkt wie ein Tauchgang im Unterbewussten.
„Dolor“ schließlich erweist sich als die intensivste Hörerfahrung der Aufnahme, Becks Saxofon schreit und wehklagt, ohne dabei aber die hohe Spielkultur des 30-Jährigen zu verraten. Christoph Beck, der neue Schmerzensmann des jungen deutschen Jazz, ist nun mal keiner fürs Plakative. Ein höchst reflektiertes Debüt!

Josef Engels, 03.06.2017



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