Seit ich vor ein paar Jahren zufällig beim Stöbern in einem Klassik-CD-Laden eine CD mit Orchesterwerken von Zemlinsky (auch aus der Reihe des Gürzenich Orchesters unter Conlon) aus Neugier gekauft habe - getragen vor allem durch meine Begeisterung für Gustav Mahler, Arnold Schönberg und seine Schüler -, bin ich gänzlich der Musik Zemlinskys verfallen, der ja der Schwager von Schönberg war. Nach und nach kaufte ich jede Neuerscheinung aus der EMI-Reihe mit dem Kölner Orchester, und ich hege die Hoffnung, dass sich Conlon noch dem kürzlich auch in Salzburg in der rekonstruierten Versions Antony Beaumonts wiedergegebenen "König Kandaules" widmen wird.
Unter den Opern Zemlinskys begeistert mich aber vor allem die "Florentinische Tragödie", nach einem Einakter von Oscar Wilde, weswegen ich dieses unter den allesamt wunderbaren Werken Zemlinskys herausgreifen möchte. Das Thema dieses Stücks scheint die schöpferische Fantasie Zemlinskys besonders angeregt zu haben, denn auch diese Oper verarbeitet wie "Der Zwerg" eine gehörige Portion eigener Biografie des Komponisten, nämlich die Enttäuschung über Alma Mahlers Intrigen und Verletzungen, die sie nicht nur ihm zugefügt hat.
Die menschliche Tragödie der Entfremdung eines Paares, das nur über den Mord an dem Nebenbuhler des Mannes wieder zueinanderfindet (dann aber aus wohl eher nicht autonomen Gründen), wird in der Musik fesselnd und überaus schillernd dargestellt und überhöht. Schon der erregende Beginn des Werks, wenn sich explosionsartig die Trompete in die Höhe zackt, lässt einen atemlos in das Tableau taumeln, denn die Liebesszene des Anfangs ist in der wildeschen Vorlage verloren gegangen, sodass es der Musik überlassen bleibt, uns die Ausgangslage des Stückes zu erzählen. Die Straffheit der Konzeption und die überaus virtuose Instrumentation lassen einen kaum Luft holen, wenn das Stück seiner überraschenden und zynischen Wendung entgegenstrebt. Viele musikalische Effekte weisen dabei auf Alban Berg voraus, der ein großer Bewunderer Zemlinskys war.
Das Kölner Orchester und die drei Sänger sind mit großen Engagement bei der Sache und treffen den Ton und die Stimmung des Werks wunderbar. Die Klangschönheit des altehrwürdigen Gürzenich-Orchesters besitzt dabei genug Flexibilität, um auch die polyfonen Ausbrüche durchhörbar und doch organisch zu gestalten. Die Aufnahmetechnik ist tadellos und das Beiheft informativ. Ich kann diesen viel zu lang vergessenen Komponisten nur jedem Musikfreund ans Herz legen - es lohnt sich.

Othmar Traber, 26 Jahre, Berlin


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