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A Night In Tunisia

Art Blakey And The Jazz Messengers

Blue Note/EMI CDP 7 84049 2
(0000-00-00)

Wäre da nicht Bill Cosby gewesen, würde ich immer noch über den Jazz als bedeutungslose Nebensache hinweghören. Erst kürzlich, in einer seiner letzten Show-Sendungen, war er ganz wild darauf, eine besondere Original-LP und Erstpressung zu ersteigern, die „ein großer Jazz-Musiker" mit dem Titel „Night in Tunisia" aufgenommen hatte - für 400 Dollar. Also sagte ich mir, wenn Bill Cosby so begeistert ist, kann das keine schlechte Musik sein: Hör Dir das doch einmal an. Aber im Katalog sind zig verschiedene „Nights in Tunisia" gelistet, und auf den von Cosby genannten Namen hatte ich zu wenig geachtet. Versuchen wir es doch einfach mit Art Blakey und seinen Jazz Messengers.
Was für ein Erlebnis! Es handelte sich zwar nicht um Cosbys Version, aber egal. Eine solche Spritzigkeit und Lebendigkeit strahlen die beiden Takes von „Sincerely Diana" (Track 2 und 3) aus, daß ich ganz hingerissen bin. Blakeys Solo im ersten Take nimmt gefangen, allemal wenn man als eingefleischter Klassik-Hörer an das Schlagzeug als Soloinstrument nicht unbedingt gewöhnt ist.
Wie angenehm verblüfft es, daß ein Jazz-Walzer (Stück 6) einem nicht auf erstes Anhören seinen Dreivierteltakt aufdrängen muß. Verliebt aber habe ich mich in Lee Morgans Trompetensoli, z. B. gegen Ende von „A Night in Tunisia", mehr noch und vor allem in seinem eigenen Stück „Yama", ein Thema voller Trauer, Melancholie, Sehnsucht, Verlorenheit, verliebt in seinen heiseren, sonoren Trompetenton, der mich verzaubert und mein Herz ergriffen hat. Ist das „der Blues"?
Auf Anhieb sind es eher die Einzelheiten, die begeistern, weniger „der große Wurf", die „Struktur" oder ein Stück in seiner Gänze, und das ist für jemanden wie mich, der mit der sogenannten E-Musik aufgewachsen ist und sich binnen vierzig Jahren - teilweise mühsam - von der Romantik zu Klassik, Barock und alter Musik, zur Spätromantik und der Musik unseres Jahrhunderts vorgearbeitet hat und von sich meint, er habe einige Ahnung von „der Musik", eine ganz außerordentliche Entdeckung.
Jeder von uns wartet wohl sein Leben lang darauf, jemanden zu treffen, der ihn berührt, der seine Seele in die Hände nimmt, und nur wenigen geschieht dies. Ein ganz kleiner Vorgeschmack ist vielleicht die Erfahrung einer solchen neuen Liebe zu einer etwas anderen Musik. Et is wohl nit alles Driß, was nicht das „E"-Etikett trägt ...
„Ahnung" vom Jazz habe ich zwar leider nicht, und ich werde noch einige Zeit brauchen, um sie zu erwerben. So habe ich meine Entdeckungsreise unter der Leitung der RONDO-Meilensteine des Jazz begonnen, und entdeckt habe ich dabei schon so vieles. Ich bin sicher, daß die Reise noch lange nicht beendet ist.

Ulrich Kudoweh, 40 Jahre, Bonn


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