Richard Strauss

Ein Heldenleben

Chicago Symphony Orchestra, Fritz Reiner

RCA/BMG 09026 61494 2
(1954) Komponiert: 1898, Uraufführung: 1899 in Frankfurt; ADD



Richard Strauss

Ein Heldenleben

Sächsische Staatskapelle Dresden, Rudolf Kempe

EMI 764342 2
(1972) 3 CDs, Komponiert: 1898, Uraufführung: 1899 in Frankfurt; ADD



Richard Strauss

Ein Heldenleben

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Willem Mengelberg

Teldec/Warner Classics 9031 76441-2
(1941) Komponiert: 1898, Uraufführung: 1899 in Frankfurt; ADD



Richard Strauss

Ein Heldenleben

Philadelphia Orchestra, Wolfgang Sawallisch

EMI 5 56149 2
(1995) Komponiert: 1898, Uraufführung: 1899 in Frankfurt; DDD



Ein Künstlerleben, das Johann Strauss mit einem charmanten Walzer besungen hat, konnte sich Richard Strauss offenbar nur als "Heldenleben" vorstellen. Bei ihm muss sich der Künstler gegenüber einer feindseligen Welt erst behaupten, die voll von beckmesserisch quäkenden und geifernden Widersachern ist. Doch mit einer treuen Gefährtin an seiner Seite, deren Liebe ihm Kraft gibt, stellt sich der Künstler dem Kampf, besiegt seine Gegner und schüttet über der Welt das Füllhorn seiner Friedenswerke aus, bevor er sich aus ihr zurückzieht.
Der Held, den Richard Strauss in seiner "Tondichtung für großes Orchester" auf diese Weise porträtiert, ist natürlich niemand anderer als er selbst. Seiner Frau Pauline setzte der Komponist im dritten Abschnitt ein Denkmal, und "Des Heldens Friedenswerke" ergießen sich in Form von Eigenzitaten über den Hörer. Man hat dies Strauss übel genommen, ihm Selbstverherrlichung vorgeworfen und sein "Heldenleben" als typisches Produkt wilhelminischer Großmannssucht abgetan. Doch wer genauer hinhört, wird diese Kritik nur schwer nachempfinden können. Denn nicht mit einer pompösen Siegesfanfare klingt "Ein Heldenleben" aus, sondern mit "Des Helden Weltflucht und Vollendung".
Besonders deutlich kommt das in der ungedruckt gebliebenen Originalfassung zum Ausdruck, bei der sich die Musik ins Nichts auflöst. Wolfgang Sawallisch hat auf diese Version zurückgegriffen, fast alle anderen Dirigenten halten sich an die gedruckte Partitur, in der das Heldenthema von den Blechbläsern am Schluss noch einmal feierlich intoniert wird. Strauss selber dürfte dazu nicht hundertprozentig gestanden haben, denn er hat diesen Schluss einmal als "Staatsbegräbnis" abgetan.
Vor Missverständnissen ist "Ein Heldenleben" nicht ganz gefeit, was aber meistens auf das Konto der Dirigenten geht, die das Werk oft kraftmeierisch aufpusten und eine orchestrale Bravurshow damit abziehen. Nicht so Fritz Reiner und das Orchester von Chikago. Zwar trieb gerade Reiner den Perfektionismus auf die Spitze, doch gelang ihm dabei der alles entscheidende Qualitätssprung, nämlich Perfektion und technische Souveränität in musikalischen Ausdruck umschlagen zu lassen. Für mich ist das, trotz ihres Alters (1954), die Referenzaufnahme schlechthin.
Ähnlich schlank und agil wie Reiner musizierte Rudolf Kempe das "Heldenleben", dem mit der Strauss-erfahrenen Staatskapelle Dresden eine noble, fast kammermusikalische Interpretation gelang. Widmungsträger des Werks sind das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und dessen langjähriger Chefdirigent Willem Mengelberg. Auch zu ihrer Einspielung aus dem Jahr 1941 greife ich immer wieder gern, weil sich Mengelberg meisterhaft darauf verstand, strukturelle Klarheit mit rauschhaften Klangexzessen zu verbinden.

Peter Blaha




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