Jean Sibelius

Sinfonie Nr. 4

Chamber Orchestra of Europe, Paavo Berglund

Finlandia/Warner Classics 0630-14951-2
(1995) Komponiert: 1910/11, Uraufführung: 1911 in Helsinki; DDD



Jean Sibelius

Sinfonie Nr. 4

Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan

DG 457 748-2
(1965) Komponiert: 1910/11, Uraufführung: 1911 in Helsinki; AAD



Jean Sibelius bemerkte über sein Vierte Sinfonie, ihr hafte nichts von dem "Zirkus" an, den so viele zeitgenössische Musik umgebe. Tatsächlich könnte dieses Werk kaum weiter entfernt sein vom aufrauschenden Glamour eines Richard Strauss oder vom weltumspannenden Mitteilungsbedürfnis Gustav Mahlers. In Gestus und Melodik geradezu provozierend karg, steht es quer zu den Konventionen, wie sie die europäische Sinfonik und nicht zuletzt auch Sibelius’ eigenes Schaffen beherrscht hatten.
Der Verzicht auf jede Form von Effekthascherei prägt auch die Interpretationen. Paavo Berglund, der sich ein Leben lang mit den Werken seines Landsmannes auseinandergesetzt hat, weiß, dass Pathos und großorchestrale Aufpolsterung bei dieser Musik tödlich wirken. Die kleine Besetzung und der schlanke Klang des Europäischen Kammerorchesters kommt Berglunds Ideal einer ideologiefreien Sibelius-Interpretation entgegen. Er will nicht überreden, sondern präsentiert die Musik pur in all ihrer schmucklosen Introvertiertheit: Sibelius für Eingeweihte.
Wer es vollmundiger, opulenter liebt, sei auf Herbert von Karajans klassische Einspielung mit den Berliner Philharmonikern verwiesen. Karajan nimmt sich, vor allem im ersten und dritten Satz, deutlich mehr Zeit, zeichnet formale Bögen gleichzeitig spannungs- und ruheerfüllt nach und gelangt so zu ebenso schlüssigen Ergebnissen.

Thomas Schulz




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