Arnold Schönberg

Fünf Orchesterstücke op. 16

City of Birmingham Symphony Orchestra, Simon Rattle

EMI 7 49857 2
(1987) Komponiert: 1909, Uraufführung: 1912 in London



Arnold Schönberg

Fünf Orchesterstücke op. 16

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Michael Gielen

Wergo/SMD 60185-50
(1987) Komponiert: 1909, Uraufführung: 1912 in London



Als einen ununterbrochenen "Wechsel von Farben, Rhythmen und Stimmungen" charakterisierte Arnold Schönberg im Sommer 1909 seine "Fünf Orchesterstücke" in einem Brief an Richard Strauss (der ihm damals noch gewogen war). In diesem Werk ist vollzogen, was sich in Schönbergs Schaffen bereits seit der Tondichtung "Pelleas und Melisande" abzeichnete: das Verlassen der Dur-Moll-Tonalität. Charakteristisch für die Tonsprache der Orchesterstücke ist ein rascher, schockhafter Wechsel der Ausdrucksgesten, rezitativische Melodik, gleichzeitig aber auch ein beinahe impressionistisches Erkunden des "reinen Klangs".
Auf Anraten seines Verlegers versah Schönberg die Komposition mit Satztiteln: "Vorgefühle", "Vergangenes", "Farben", "Peripetie" und "Das obligate Rezitativ". Berühmt wurde vor allem das dritte Stück, "Farben", da sich in ihm zum ersten Mal Schönbergs Idee der "Klangfarbenmelodie" manifestiert. Ein einziger, kaum veränderter Akkord wird durch ständig wechselnde Instrumentation klangfarblich immer neu beleuchtet. So erhält die Klangfarbe neben den anderen musikalischen Parametern (wie Tonhöhe oder -dauer) gleichberechtigte Bedeutung. Die Wirkung ist enorm suggestiv; später erhielt das Stück noch den zusätzlichen Titel "Sommermorgen an einem See". Das zweite Stück verweist auf "Vergangenes"; seine relativ konventionelle dreiteilige Form und die noch in Bruchstücken vorhandene tonale Harmonik wirken im Vergleich zur musikalischen Prosa der übrigen Teile wie eine nostalgische Rückschau auf entfernte Welten.
Simon Rattles Aufnahme, die sowohl den zukunftsweisenden Elementen der Stücke als auch ihrem großen atmosphärischen und klangfarblichen Reichtum in idealer Weise gerecht wird, ist momentan in Deutschland gestrichen, jedoch über Importdienste erhältlich. Eine ebenfalls sehr zuverlässige, dazu dramatisch zugespitzte Deutung bietet Michael Gielen mit dem trefflichen Sinfonieorchester des Südwestfunks. Ausdrücklich gewarnt sei an dieser Stelle vor der Einspielung von Pierre Boulez, einer lustlos hingeschluderten Interpretation in unterdurchschnittlicher Klangqualität.

Thomas Schulz




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