Carl Orff

Carmina Burana

Barbara Hendricks, Jeffrey Black, Michael Chance, London Philharmonic Choir, London Philharmonic Orchestra, Franz Welser-Möst

EMI 7 54054 2
(1989) Komponiert: 1935/36, Uraufführung: 1937 in Frankfurt/Main



Carl Orff

Carmina Burana

Sylvia Greenberg, James Bowman, Stephen Roberts, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Rundfunkchor Berlin, Riccardo Chailly

Decca 411 702-2
(1983) Komponiert: 1935/36, Uraufführung: 1937 in Frankfurt/Main



Als "Lapidarsprache" hat man den mit den "Carmina Burana" begründeten "Orff-Stil" oft abgetan - und dabei übersehen, dass es für die Schöpfung einer derartigen Erfolgsmischung aus rhythmischer Naturgewalt, sanglicher Melodik und schlichter, auf Zwischenstufen verzichtender Harmonik doch einiger Inspiration bedarf. Was für einen Erfolgsschlager gilt, trifft auch hier: Gerade auf das Einfache muss man erst einmal kommen.
Dass der zum Zeitpunkt der Komposition vierzigjährige Orff nach seinem Geniestreich weder etwas (stilistisch) anderes noch etwas Vergleichbares mehr geschaffen hat, steht auf einem anderen Blatt. Tatsache ist, dass sowohl der Urschrei des anfänglichen "O Fortuna" als auch die Gesänge über Wein und Weib, deren Texte Orff einer Sammlung mittelalterlicher Lieder aus dem oberbayerischen Kloster Benediktbeuern entnahm, heute noch zum ehernen Bestand der Chorliteratur zählen. Wer sich selbst einmal singend durch die mitreißend ohrwürmelnden mittelhochdeutschen und lateinischen Lieder und ihre teilweise haarige Rhythmik und Taktgliederung gehangelt hat, der weiß, warum dem so ist.
Der Beliebtheit des Stücks entspricht auch die Anzahl der Einspielungen. Unter den derzeit greifbaren CDs finden sich etliche sehr gute, von denen ich die Aufnahmen Franz Welser-Mösts und Riccardo Chaillys hervorheben möchte. Welser-Mösts Interpretation ist eher nüchtern, klar gliedernd, mit einem zwar englischen, aber hinreißend präzise artikulierenden Chor, bei Riccardo Chailly geht es klangverliebter, klangsinnlicher zu. Welcher dieser Aufnahmen man den Vorzug gibt, ist Geschmacksache. Eine Einschränkung teilen allerdings beide Einspielungen: Mit dem wahrhaft parodistischen Tonfall des gebratenen Schwans haben die eher noblen Sänger (Michael Chance und James Bowman) nicht viel im Sinn. Beim wunderschönen Sopransolo "In trutina" kann Sylvia Greenberg allein ihrer stimmlichen Leichtigkeit wegen hingegen weit mehr überzeugen als Barbara Hendricks bei Welser-Möst.

Susanne Benda




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