César Franck

Violinsonate A-Dur

Jascha Heifetz, Artur Rubinstein

EMI 7 64929 2
(1937) Komponiert: 1886, Uraufführung: 1886 in Brüssel



César Franck

Violinsonate A-Dur

David Oistrach, Swjatoslaw Richter

BMG 74321 34181 2
(1968) Komponiert: 1886, Uraufführung: 1886 in Brüssel



César Franck

Violinsonate A-Dur

Augustin Dumay, Maria João Pires

Deutsche Grammophon 445 880-2
(1993) Komponiert: 1886, Uraufführung: 1886 in Brüssel



César Francks Violinsonate - Hochzeitsgeschenk für Eugène Ysaÿe - hat die widersprüchlichsten Charakterisierungen und Interpretationen erfahren. Einer der fassbarsten Anteile ist die aufkeimende "impressionistische" Gestimmtheit, die "in der Luft lag" und nur wenige Jahre später mit Debussys "Prélude à l’après-midi d’un faune" einen ersten Höhepunkt fand. Über die Kompositionstechniken wurde viel geschrieben, kaum erwähnt wurde dagegen die mehr als nur angedeutete Erotik und Laszivität dieser Musik, die Kombination von Poesie und Sinnenfreude, Raffinesse und Leidenschaftlichkeit.
Das Aufgebot an Reizmitteln wird trotz der Vielzahl an Aufführungen und Einspielungen nur sehr selten wirklich ausgespielt. Wenn der Kopfsatz im letzten Drittel "con tutta forza" äußerst expressiv kulminiert, erlebt man von den meisten Interpreten nur ein leichtes, keinerlei Erregung signalisierendes Anheben der Stimmen. Unbefriedigend sind ebenso oft Faktoren wie Ungleichgewichtigkeit der Partner, fehlende Wechselwirkungen zwischen den Parts und trotz extremer spieltechnischer Perfektion Fehlen von Ausdruck, Farben, Stimmungen, Geschmeidigkeit, Dramaturgie.
Bei der bemerkenswert gut restaurierten Heifetz/Rubinstein-Einspielung von 1937 können auch Hörer auf ihre Kosten kommen, die nicht unbedingte Freunde historischer Aufnahmen sind. Der "Con-tutta-forza"-Höhepunkt wird wie bei kaum einem anderen Duo in Ereignis umgesetzt. Heifetz formt seinen Ton nach Belieben, reizt mit irisierender Farbpalette, setzt Energie und Zartheit ein, ergänzt und verzahnt sich mit dem ebenbürtig aufspielenden Rubinstein zu einer Duo-Qualität, die nach wie vor einzig dasteht.
David Oistrach und Swjatoslaw Richter stellen die sinnlichen Anteile zugunsten der konstruktiven Gesichtspunkte etwas zurück und erreichen durch die Konsequenz ihres Spiels ein nicht weniger beeindruckendes Ergebnis. Beider gestalterische und spieltechnische Souveränität verbindet sich zu raumgreifender, umrissscharfer Darstellung.
Augustin Dumay und Maria João Pires gelingt der Spagat zwischen klarer Form und brodelndem Inhalt. Die von einer vorzüglichen Aufnahmetechnik eingefangene darstellerische Bandbreite zwischen spannungsgeladenem Bedrängen, Energie-Entfesselung, nachzitternd genossener Ruhe vor dem Hintergrund handwerklicher Mittel, die keine Fragen nach Grenzen stellen lassen, verleihen der Interpretation Ausnahmerang.

Wolfgang Wendel




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