Legends of Folklore Argentino, Flamenco and Música do Brasil


Tropical Music/Sony 76491683629
(158 Min., 1965, 1966 u. 1967) 1 DVD

 

Legends of the American Folk Blues Festivals


Tropical Music/Sony 76491683649
(124 Min., 1967, 1968 u. 1969)

 

Legends of Spiritual & Gospel and Folk & Country


Tropical Music/Sony 76491683639
(156 Min., 1965 u. 1966)

 

Heute sind Blues, Spiritual, Gospel, Samba, Flamenco und die südamerikanische Volksmusik jedem Musikinteressierten zugänglich und vertraut. In den Sechzigern war dies anders. Damals brauchte es Menschen wie das Veranstalter-Tandem Horst Lippmann und Fritz Rau, die – mit enormem Risiko – im Team mit dem Fernsehproduzenten Joachim-Ernst Berendt die Größen dieser Genres für Deutschland- und Europatourneen buchten und damit Entwicklungsarbeit leisteten. Die "American Folk Blues Festivals" der Jahre 1967, 1968 und 1969, die "Spiritual & Gospel Festivals" von 1965 und 1966, das "Festival of American Folk & Country Music" von 1966, das "Festival Flamenco Gitano" von 1965 und die Produktionen "Cançõnes, Samba e Bossa Nova do Brasil" von 1966 sowie "Música Folklórica Argentina" und das sakrale Konzert "Missa Criolla & Navidad Nuestra" von 1967 öffneten im Konzertsaal und an den Bildschirmen Tausenden den Horizont, dass es jenseits des deutschen Sprachraums interessante, wertvolle Volksmusik gab. Diese Fernsehaufzeichnungen gibt es nun in voller Länge zu sehen – Dokumente aus einer vergangenen Zeit mit ihrer eigenen Präsentationsweise. Einige Festivals wurden in einer sterilen Studiosituation oder im Konzert aufgenommen, während die "Missa Criolla" und das erste Gospelfestival in einer Kirche ohne Publikum inszeniert wurden. Für die argentinische Folklore wurde ein Indiodorf und für die amerikanische Folk- und Countrymusik ein roh gezimmertes Holzhaus inszeniert, und beim dritten Folk Blues Festivals ersetzen Interviews mit den Künstlern die steife, stellenweise missionarisch für die fremde Musik werbende Moderation.
Für viele Künstler war dies die erste und für manche auch die einzige Fernsehaufzeichnung. Die drei DVDs zeigen, wie hochachtungsvoll – und manchmal auch hilflos – die Begegnung mit einer Musik stattfand, die noch nicht von den Medien zu quasi-folkloristischen Stilen zurechtgebogen waren. Die Bluesmusiker John Lee Hooker, Son House, T-Bone Walker und Clifton Chenier wurden durch diese Konzerte bekannt, ebenso die Sängerin Mercedes Sosa und der Gitarrist Jaime Torres. Auch wenn sich die Künstler auf die ungewohnte Situation auf europäischen Bühnen einstellen mussten, wirkt das meiste doch authentisch. Das macht die Edition zu einer wertvollen Dokumentation der Musik selbst und der ersten von Neugier und Interesse getragenen Begegnung des deutschen Publikums und der deutschen Journalisten mit ihr.

Werner Stiefele, 09.05.2009




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