Carl Philipp Emanuel Bach

Magnificat, Motette „Heilig ist Gott“, Sinfonie Wq 183/1

Elizabeth Watts, Wiebke Lehmkuhl, Lothar Odinius, Markus Eiche, Akademie für Alte Musik Berlin, RIAS Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

harmonia mundi HMC902167
(56 Min., 11/2011 & 1/2013)

 

Am 9. April 1786 bewies der Hamburger Musikdirektor Carl Philipp Emanuel Bach ein großes Herz, als er in der örtlichen Handelsakademie zu einem Benefizkonzert einlud, dessen Erlöse einer sich aus Ärzten zusammensetzenden Vereinigung zukommen sollten. Doch musikalisch beließ es Bach nicht nur bei Ausschnitten aus des Vaters h-Moll-Messe und Händels „Messias“. Nach der Pause sollen genau jene drei Werke erklungen sein, die Dirigent Hans-Christoph Rademann mit der Akademie für Alte Musik jetzt anlässlich Bachs 300. Geburtstag eingespielt hat. Auf die D-Dur-Sinfonie Wq 183/1 folgte sein Magnificat und die doppelchörige Motette „Heilig ist Gott“.
Die Idee für diese Programmrekonstruktion war eine gute. Die Ausführung aber lässt den musikhistorischen Wert meilenweit hinter sich. Denn was die anspringende Wucht, das Brausen und Tosen sowie die Empfindsamkeit und Würde dieser drei Werke angeht, haben Rademann & Co. schlichtweg Maßstäbe gesetzt. Zumal man bei den auf Originalklang abonnierten Musikern einen Farbenreichtum und eine packende Spielfreude geboten bekommt, die den Jubilar von teilweise völlig neuen Seiten zeigt. Bei der Sinfonie wird man Ohrenzeuge von spektakulären Terrassenwirkungen. Das Pathos in „Heilig ist Gott“ ist kontemplativ und feinnervig zugleich. Und beim Magnificat erweisen sich die Solisten angesichts der makellosen Phrasierung, Gestik und Affektgestaltung als ideale Besetzung.
Gleichzeitig zu dieser herausragenden Bach-Huldigung ist eine historische Aufnahme des Magnificat erschienen, die Helmuth Rilling in den 1970er Jahren mit seinem altbewährten Team aufgenommen hat. Und wenngleich etwa eine Ausnahmesopranistin wie Arleen Augér sich der Eingangsarie „Quia respexit …“ mit einem für heutige Ohren nicht mehr unbedingt zeitgemäßen Vibrato verschrieben hat, besticht diese Aufnahme in ihrer Klang- und Ausdrucksintensität. Als Zugabe gibt es eine „Missa brevis“ von Johann Ludwig Bach, einem Vetter von Johann Sebastian Bach.

Guido Fischer, 22.03.2014




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