Georg Friedrich Händel

Music For Queen Caroline: The King Shall Rejoice, Te Deum, The Ways Of Zion Do Mourn

Tim Mead, Sean Clayton, Lisandro Abadie, Les Arts Florissants, William Christie

Les Arts Florissants Editions/harmonia mundi AF004
(72 Min., 11/2013)

 

Jean-Philippe Rameau

Daphnis et Eglé, La naissance d’Osiris

Reinoud van Mechelen, Élodie Fonnard, Magali Léger, Arnaud Richard, Les Arts Florissants, William Christie u.a.

Alpha/Note 1 ALP704
(107 Min., 8/2014)

 

Mit Werken zweier Leib- und Magenkomponisten hat sich William Christie das schönste Geburtstagsgeschenk selber gemacht (am 19. Dezember 2014 feierte er seinen Siebzigsten!). Und natürlich dirigierte er bei den Aufnahmen nicht nur sein Ensemble „Les Arts Florissants“, sondern setzte auf altbewährte sowie aufstrebende Vokalkräfte aus der eigenen Nachwuchsakademie „Le Jardin des Voix“. Aber wie speziell das Händel-Album belegt, besitzt allein Sean Clayton, ein junger Tenor aus dem Christie-Stall, bereits jene Klasse, um sich nahtlos in dieses runde, körper- und substanzreiche Klangerlebnis einzufügen. Thematischer Dreh- und Angelpunkt ist Händels Freundschaft zur Prinzessin von Hannover, die in London zur „Queen Caroline“ gekrönt wurde. Drei Stücke hat Christie ausgewählt, die Händel zu unterschiedlichen Anlässen geschrieben hat. Mit dem „Te Deum“ HWV 280 wurde Caroline 1714 in England empfangen. „The King Shall Rejoice“ HWV 260 gehört zu den vier Anthems, mit denen 1727 die Krönungszeremonien musikalisch begangen wurden. Und mit „The Ways Of Zion Do Mourn“ HWV 264 schrieb Händel zehn Jahre später auf Wunsch von George II. die Trauermusik für seine verstorbene Frau.
Nun wusste Händel gerade bei den festlichen Stücken beeindruckend strahlendes Trompetengold ebenso einzusetzen wie raumsprengende Chorsätze. Und da Christie noch nie ein musikalischer Kostverächter war, lässt er Orchester, Chor und Solisten in den schönsten Farben erstrahlen. Aber was den amerikanischen Franzosen schon immer von nahezu allen Dirigenten unterschieden hat, die sich ebenfalls der historischen Aufführungspraxis verschrieben haben, kommt auch nach seinen wohl über hundert Einspielungen erneut zum Zug. Bei aller Transparenz und Souveränität, mit der die Musiker jeweils zu Werke gehen, besitzt alles eine Unmittelbarkeit im Ausdruck. Selbst jeder noch so dramatische Gefühlszustand wird bei Christie nicht etwa besonders inszeniert oder ausgeleuchtet, sondern ist in seiner Natürlichkeit und Innerlichkeit einfach da. Und wie schon oft bei Christie bewundert, gelingt ihm damit erneut das, was selbst ähnlich profilierte Alte Musik-Kollegen in dieser Kontinuität kaum geschafft haben: Er versetzt Musik in einen glückbringenden Zustand.
Mit reichlich Finesse ausgestattet ist auch Christies (leider einziger) Beitrag für das Rameau-Jahr 2014. Unter dem Titel „Rameau, Maître à Danser“ hat Christie zusammen mit Regisseurin Sophie Daneman (ja genau, die Sopranistin Daneman) und der Choreografin Franҫoise Denieau zwei wenig bekannte Einakter von Jean-Philippe Rameau herausgebracht. Beide Stücke, die
Pastorale héroïque „Daphnis et Eglé“ (1753) sowie das Ballet allégorique „La naissance d'Osiris“ (1754), entstanden fürs royale Amüsement in Fontainebleau. Und was Christie schon immer an der Musik von Rameau geschätzt hat, kommt hier in vollen Zügen zur Geltung. Es ist diese reiche und stets überraschende Klangsprache mit ihren Tanzrhythmen, ihrer Körperlichkeit und Sinnlichkeit. Großartig setzt selbst ein junges, aber höchst versiertes Sängerensemble all diese Qualitäten um. Wobei die historisch nachempfundene, leicht an Ariane Mnouchkines „Molière“-Spektakel erinnernde Wandertheaterbühne genügend Platz bietet für ein fideles Schäfer- und Landleben sowie ausgelassene Tanzkünste. Ein schönes Rameau-Fest.

Guido Fischer, 20.12.2014




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