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(c) Arlen Connelly

GoGo Penguin

Pinguine erobern die Welt

Mit Ligeti und Techno in den „Blue Note“-Himmel: Das Pianotrio GoGo Penguin ist die britische Jazzband der Stunde.

Die Queen dürfte darüber not amused sein: Gemessen daran, dass der Jazz seine erste große Anhängerschaft außerhalb der USA in England fand, blieb der britische Beitrag zur improvisierten Musik mit wenigen prominenten Ausnahmen bislang bescheiden. Vor allem im Vergleich zu den expansionsfreudigen Skandinaviern mutete der Jazz aus Großbritannien in den vergangenen Jahrzehnten eher wie eine europäische Randerscheinung an.
Das hat sich in jüngster Zeit allerdings verändert. Bands wie Get The Blessing, Sons Of Kemet, Partikel oder das Neil Cowley Trio sorgen international für Aufhorchen. Und mit GoGo Penguin ist jetzt ein gewitztes junges Piano-Trio am Start, das ähnlich wie der englische Jazzpopper Jamie Cullum dafür sorgen könnte, dass eine große Menschenmenge mit ausgeprägter Improvisationsallergie plötzlich doch Gefallen am Jazz aus den Vereinigten Königreichen findet.
Für seine Kombination aus minimalistisch- hypnotischen Melodiekürzeln und frickeligen Drum-Beats, die aus der elektronischen Musik geborgt sind, wurde das Trio aus Manchester 2014 für den eigentlich Pop-Acts vorbehaltenen Mercury Prize nominiert; mit der Vertragsunterzeichnung beim legendären US-Traditionslabel Blue Note folgt jetzt der Ritterschlag für GoGo Penguin. Dabei begreifen sich Pianist Chris Illingworth, Bassist Nick Blacka und Schlagzeuger Rob Turner eigentlich gar nicht als Jazzband im engeren Sinne.
„An erster Stelle sehen wir uns als Band“, stellt Illingworth klar. „Wir genießen die Freiheit, nicht über Stile nachdenken zu müssen. Man kann so Ideen ausprobieren, die man erst gar nicht in Erwägung ziehen würde, wenn man eine reine Jazzband wäre – ein Sirenen- Sound auf dem Bass etwa oder ein Housebeat von den Drums.“
Dieses Prinzip verfolgt GoGo Penguin auch auf ihrem Blue Note-Debüt „Man Made Object“. Da klingen die Stücke mal wie eine Techno- Hymne, mal wie eine Trance-House-Produktion, und doch basiert alles auf dem akustischen Instrumentarium eines Piano-Trios. Nur beim Komponieren greifen die drei Briten gerne auf technische Hilfsmittel zurück. Etwa bei der CD-Abschlussnummer „Protest“, die Illingworth auf seinem iPhone entwarf, „weil gerade nichts anderes zur Hand war.“
Die Stücke von GoGo Penguin sind aber nicht nur von der elektronischen Tanzmusik und von Künstlern wie Four Tet oder Aphex Twin beeinflusst, sondern auch sehr stark von der modernen Klassik. So wurde „Fanfares“, das Titelstück des 2012 erschienenen Debütalbums von GoGo Penguin, beispielsweise von György Ligetis gleichnamiger Piano-Etüde inspiriert. „Ich denke, bei uns ist auch viel Steve Reich, John Cage oder John Adams zu finden“, ergänzt Illingworth.
Mit dieser Mischung ist das Trio, das seinen Namen einem trashigen Plüsch-Pinguin vom Uni-Flohmarkt verdankt, auf dem besten Weg, die Welt zu erobern. „Wir haben eine schöne Erfahrung bei unserer ersten Kanada- Tour im letzten Jahr gemacht“, erzählt Illingworth. „Jeder Gig war ausverkauft. Und das Publikum kannte alle unsere Stücke. Großartig, wie positiv die Leute die britische Jazzszene aufnehmen.“ Cool Jazz-Britannia!

Neu erschienen:

Man Made Object

GoGo Penguin

Blue Note/Universal

Josef Engels, RONDO Ausgabe 1 / 2016



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