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Dem Goldkopf fehlt die Silbertolle (c) Stocksnap/pixabay.com

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Maestro ohne Herz und Hirn!

Der Roboter als praktische Haushaltshilfe, die staubsaugt und den Rasen mäht, ist schon lange kein Hirngespinst mehr. Auch wenn es hier und da immer noch am entsprechenden Feintuning mangelt. Doch auch in der Musik ist die Maschine nicht mehr wegzudenken. Man erinnere sich nur an Jacques Offenbachs „Olympia“, an Conlon Nancarrows Selbstspielklavier-Wahnsinn oder an die elektronischen Klangmanifeste eines Stockhausen. Nun aber droht im Musikbetrieb eine ganze Berufsgruppe auszusterben. Denn Roboter haben das Dirigieren gelernt, wie man jetzt seit einem etwas anderen Verdi-Abend weiß. Im italienischen Pisa hatte man im Rahmen eines internationalen Robotik-Festivals ein Konzert mit dem Philharmonischen Orchester von Lucca anberaumt – mit Andrea Bocelli als Stargast. Der Tenor schmetterte den Verdi-Dauerbrenner „La donna é mobile“ – doch dirigiert wurde das Ganze von einem Roboter, der auf die Modellbezeichnung „YuMi“ hört. Der schneeweiße Kasten mit seinen Technik-Ärmchen wurde von einer Schweizer Firma entwickelt und konstruiert. Und um nun den sieben Minuten langen Verdi-Knaller dirigieren zu können, brauchte es ganze 17 Stunden, um YuMi entsprechend zu programmieren. Als Pate stand dafür der echte Dirigent Andrea Colombini parat, dessen Gesten der Roboter nachahmte. „YuMi ist sehr flexibel, er kann jedoch die Sensibilität eines menschlichen Dirigenten nicht ersetzen. Vor allem kann er nicht improvisieren oder sich auf die Musiker einstellen“, so der bestimmt auch etwas erleichterte Colombini. „Es ist nur ein Arm, kein Hirn, kein Herz.“ Was außerdem wohl noch der Serienreife im Wege stehen dürfte, ist YuMis fehlende Aura und Magie, von der sich das Publikum packen lassen könnte. Dieses Ding kann schließlich weder hochhüpfen wie einst Lenny Bernstein, noch besitzt es die fotogene Silbertolle eines Karajan oder den einnehmenden Charme eines Simon Rattle.

Guido Fischer



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