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Engagiertes Affentheater: Hans Werner Henzes „Der junge Lord“

Staatstheater Hannover

Von einem echten Siegeszug lässt sich bei Hans Werner Henzes „Der junge Lord“ wohl nicht sprechen. Gut 50 Jahre nach seiner Uraufführung (1965 an der Deutschen Oper Berlin) muss man nach Aufführungen dieses Hauptwerks lange fahnden. Am Staatstheater Hannover lernt man weshalb. Der Komponist hatte die Librettistin Ingeborg Bachmann in seinem Haus bei Rom in ein Zimmer eingesperrt und den Schlüssel abgezogen. Er ahnte, dass er sonst nie zu seinem Text käme. Das Ergebnis ist ein Rätsel – und verrät den Wunsch der berühmten Lyrikerin, ihrem Gefängnis so bald wie möglich zu entrinnen. Neben Kleinstadt-Satire und Spießerkritik findet sich zu wenig Handlung in der Hauff-Vertonung. Hinter der Titelfigur, die erst nach der Pause überhaupt auftritt, verbirgt sich ein verkleideter Affe.
In mit Spitzendeckchenrand umklöppelten Schwarzweiß-Bildern inszeniert Bernd Mottl allzu straight – im Vertrauen auf Witze, die in dieser komischen Oper fehlen. Sung-Keun Park gibt den Lord als grotesk goldigen Michael Jackson-Verschnitt (unter dessen Wachsmaske ein Gorilla steckt). Rebecca Davis ist eine allerliebste Luise. In Franz Mazura, mit 93 Jahren der wohl dienstälteste Sänger der Welt (und einst legendärer Klingsor in Bayreuth), hat die Aufführung einen echten Trumpf als Sir Edgar parat. Nur weiß Mottl ihn – mangels Konzept – nicht recht auszuspielen.
Kapellmeister Mark Rohde setzt auf Knackigkeit und lässt einigen Witz aus dem Niedersächsischen Staatsorchester aufsteigen, das einen exzellenten Job macht. Interessant ist, dass Henze schon damals erkannte, wie unfähig die Neue Musik zur Komik sei. Es läge am „Sendungsbewusstsein“, so Henze. Er gestand: „Meine Musik lebt geradezu aus dem ... Verlassen der Tonalität und der Rückkehr zu ihr.“ Wohl gesagt! Sein „Junger Lord“ bleibt wiederzuentdecken. Dass es sich lohnt, zeigt dieser engagierte Kitzelversuch durchaus.

RONDO Ausgabe 5 / 2017



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