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Nils Landgren

Abtanzen und Gutes tun

Gemeinsam mit der Organisation »Ärzte ohne Grenzen« will der schwedische Jazzposaunist Nils Landgren den Kindern in den Slums von Nairobi helfen. Dass man sich dabei auch glänzend amüsieren kann, zeigt die Benefiz-CD »Funk for Life«. Josef Engels stellt sie vor.

Als der schwedische Posaunist Nils Landgren 2008 kurz nach der amerikanischen Präsidentenwahl erfolgreich das Berliner Jazzfest leitete, geisterte prompt der Vergleich mit Barack Obama durch die Presse. Landgren war es mit seiner sympathischen Art und seinem unverkrampften Programm gelungen, die Festival-Institution wieder neu zu beleben. Man sollte die Parallelen nicht überstrapazieren. Aber: Während sich Barack Obama erst noch seinen Friedensnobelpreis verdienen muss, rettet Nils Landgren ganz handfest schon ein bisschen die Welt. Allerdings auf seine Art. Mit Musik, guter Laune und seiner Party-Blauhelmtruppe Funk Unit. Gemeinsam will man dafür sorgen, dass die Kinder in Kibera, dem wohl größten Slum Afrikas, eine bessere Zukunft bekommen.
»Ich habe mein ganzes erwachsenes Leben lang überlegt, was man machen könnte, außer Geld zu spenden«, erzählt Landgren. Als sein Patenkind, mittlerweile Mediziner der Organisation »Ärzte ohne Grenzen«, ihm in einem Brief die Situation in einem Lager in Darfur schilderte, kam der Posaunist ins Grübeln. »Er schrieb mir, dass es für die Kinder und Jugendlichen im Lager absolut nichts zu tun gibt. Ich dachte zusammen mit meiner Frau: Vielleicht können wir etwas mit Musik bewegen. Unsere Idee war: Man fährt irgendwohin, bringt Musikinstrumente mit und versucht, Kinder zu inspirieren. Dann kommt man regelmäßig zurück, um es auf den Weg zu bringen.«
Gesagt, getan. »Ärzte ohne Grenzen « war von dem Vorschlag sofort angetan und schlug vor, dieses Projekt in Kibera in Nairobi zu verwirklichen. In dem Slum leben etwa eine Million Menschen auf engstem Raum zusammen. Landgren: »Auch wenn man glaubt, schon alles im TV gesehen zu haben: Das ist etwas Anderes. Es ist unglaublich elend da, obwohl es schon eine Art Infrastruktur gibt. Die Kriminalität ist wahnsinnig hoch, Leute sterben wie die Fliegen, es gibt eine hohe HIV-Rate, Tuberkulose, Cholera, Malaria und was weiß ich alles. Und trotzdem schenken die Leute einem ein Lächeln. Das hat uns alle sehr beeindruckt.« Es blieb nicht bloß bei einem Lächeln. Die Menschen aus Kibera liehen Landgren und seiner Band anlässlich eines Konzerts vor Ort auch ihre Stimmen. Zu hören sind sie nun am Anfang des Titelstücks der neuen CD der Funk Unit. »Funk for Life« singen die Slumbewohner gemeinsam mit dem schwedisch-deutschen Musikerzusammenschluss. Der Name ist Programm: Ein Euro jeder verkauften CD kommt »Ärzte ohne Grenzen« zugute und verbessert gleichzeitig die Lebensbedingungen der Kinder in Kibera. Landgren ist nach seinem ersten Besuch in Nairobi, als die Funk Unit mit einem Haufen Musikinstrumenten in drei Schulen in Kibera auftauchte, jedenfalls ganz begeistert. »Die Kinder waren zuerst schüchtern. Nach zwei Minuten wollten aber plötzlich alle wirklich jedes Instrument ausprobieren. Die hatten enormen Spaß!« Den kann man auch mit dem neuen Funk-Unit-Album haben, das – ungeachtet der ernsten Texte – im Stile von Maceo Parker oder George Clinton zum Abtanzen einlädt. »Die Musik muss ja nicht traurig sein, nur weil man versucht, etwas Gutes zu tun«, sagt Landgren.

Neu erschienen:

Funk For Life

Nils Landgren Funk Unit

ACT/Edel

Josef Engels, RONDO Ausgabe 1 / 2010



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