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Sol Gabetta

Hand aufs Herz, Frau Gabetta!

Ein großer schöner Ton, Leidenschaft, Disziplin und Genauigkeit des Spiels – so viel weibliche Celloseligkeit haben wir seit den Tagen der großen Jacqueline du Pré nicht mehr erlebt. Die kaum 28-jährige Sol Gabetta wurde in Argentinien geboren, aufgewachsen ist sie in Spanien und der Schweiz, ihr Lebensmittelpunkt liegt heute in und um Basel. Nach Barock und Romantik erobert sie sich nun mit dem Kammerorchester Basel die Welt der Wiener Klassik. Im RONDO-Fragebogen träumt die Techno-Gegnerin von klassischer Musik, die endlich wieder allen gehören soll.

RONDO: Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am besten?

Sol Gabetta: Die ehrliche Freiheit der Expressivität und Empfindsamkeit!

RONDO: Was missfällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?

Gabetta: Das Zuhause nicht immer dabei zu haben!

RONDO: Wer hat Sie am meisten in musikalischen Dingen beeinflusst?

Gabetta: Meine Lehrer Ivan Monighetti und David Geringas, aber auch viele inspirierte Dirigenten und Kammermusikpartner.

RONDO: Welche Komponisten halten Sie für überbewertet, welche für unterbewertet?

Gabetta: Für überbewertet niemanden ... Jeder bekommt am Schluss das, was er verdient – nicht weniger und nicht mehr. Jeder Komponist bewegt mit seiner Musik etwas, manchmal menschliche Seelen ... manchmal nur Glasfenster! Unterbewertet sind allein schon im Bereich der Celloliteratur viele Komponisten, vor allem aus dem Barock. So viele fantastische Kompositionen werden heute überhaupt nicht mehr gespielt! Ich denke da zum Beispiel an Anton Kraft, Leopold Hofmann, Leonardo Leo ...

RONDO: Welche Musik mögen Sie überhaupt nicht?

Gabetta: Techno.

RONDO: Ihr Lieblingskomponist des 20./21. Jahrhunderts?

Gabetta: Dmitri Schostakowitsch.

RONDO: Welche Platte haben Sie zuletzt aus privatem Interesse gekauft?

Gabetta: Schubertlieder mit Matthias Goerne und Dvořáks Cellokonzert mit Emanuel Feuermann.

RONDO: Welches Buch lesen Sie gerade?

Gabetta: Eine Schubertbiografie.

RONDO: Ihr Lieblingsschriftsteller?

Gabetta: Stefan Zweig, Agatha Christie.

RONDO: Wenn Sie nicht Musikerin geworden wären, welchen Beruf hätten Sie dann gerne ergriffen?

Gabetta: Archäologin oder Biologin.

RONDO: Was, glauben Sie, fehlt der klassischen Musik unserer Zeit am meisten?

Gabetta: Die Fähigkeit, »Volksmusik« sein zu können, wie es im 16., 17., 18. Jahrhundert der Fall war! Musik für Momente der Freude, Musik der Empfindsamkeit, Musik die eine Entwicklung macht, eine Entwicklung mit den Menschen zusammen! Diese Musik wurde für uns ALLE komponiert, sie gehört zu uns allen! Heute aber verbinden viele Leute die klassische Musik nur mehr mit den »klassischen Menschen«, also Menschen, die nicht zu ALLEM dazugehören.

Neu erschienen:

Hofmann, Haydn, Mozart

Cellokonzerte

Sol Gabetta, Kammerorchester Basel, Sergio Ciomei

RCA/Sony

Rondo Redaktion, RONDO Ausgabe 4 / 2009



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