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Jazz-DVDs

Ernst Ludwig „Luten“ Petrowsky, der Altsaxofonist und Urvater des Jazz in Deutschland Ost, ist 80 geworden – Anlass für ihn, sich auf die Zusammenarbeit mit der Sängerin Uschi Brüning, seit Jahrzehnten seine Lebenspartnerin, zu konzentrieren. Ulrike Keller hat diesem einmaligen Duo ein 93-minütiges Filmporträt gewidmet. Einfühlsam und ganz ohne Verklärungs-Attitüde wird erzählt, wie beide zum Jazz und zueinander fanden. Es geht um Liebe – um gegenseitige, um die zu sich, vor allem aber um die zur freien Musik (Einfach sein ... für eine freie Musik, www.kreamedia. info).

Vor drei Jahren feierte Paolo Fresu, der sardische Trompetenstar mit dem starken Miles-Davis-Bezug, seinen 50. Geburtstag mit einer tiefen Reverenz an seine Inselheimat: Innerhalb von zwei Monaten gab er dort fünfzig Konzerte an landschaftlich betörenden Orten – meist open air und mit wechselnden Besetzungen aus fast allen Musikern, mit denen er bis dahin zusammengespielt hatte. Marthe Le More hat dieses Unterfangen unaufgeregt mit grandiosen Bildern und perfektem Klang eingefangen. In Interviews kommentieren Fresu und seine Weggenossen das Projekt; als Sprachen stehen Französisch, Englisch und Italienisch zur Verfügung (!50 Quinquagénèse, Bonsai Music DVD/harmonia mundi).

Vor zehn Jahren gewann Gretchen Parlato die Thelonious Monk International Jazz Vocals Competition, erst jetzt legt sie ihr erstes live Album als CD/DVD vor. In einem intimen Club musizierte sie abwechselnd mit ihren beiden bevorzugten Begleittrios – ein Naturereignis: Es wird nicht sensuell gesäuselt, sondern kraftvoll sinnenbetörend gesungen (Live in NY C, ObliqSound/Broken Silence).

Von Thelonious Monk, dem enigmatischen Genie, gibt es ebenfalls ein CD/DVD-Album. In befriedigender Bild- , aber bestenfalls ausreichender Tonqualität vertreibt nun Blue Note das Konzert, das der Pianist am 15.12.1969 in der Salle Pleyel in Paris gab. Es ist die letzte Aufnahme mit seinem treuen Saxofon-Partner Charlie Rouse; an Bass und Schlagzeug agierten junge Aushilfen. Aufregend wird die Sache durch einen Gastauftritt der damals in Paris lebenden Schlagzeuglegende Philly Joe Jones (Paris 1969, Blue Note/Universal).

Eine Begegnung der Superlative war das gemeinsame Konzert von John McLaughlin und Carlos Santana 2011 in Montreux. Es bot alles, was man sich von einem derartigen Ereignis erwarten durfte. Beide hatten ihre eigenen Bands mitgebracht. In deren Doppelung oder in jeweiliger Einzelbegleitung wurde deftig gerockt und dabei auch die Erinnerung an Tony Williams’ Lifetime heraufbeschworen. Aber auch rein akustische Duos der beiden Gitarreros kommen nicht zu kurz (Invitation To Illumination, Live At Montreux 2011, Eagle Vision/Edel).

Eine Gitarrenbegegnung der anderen Art präsentiert das Avantgarde-DVD-Label PanRec mit Aufnahmen zweier Konzerte von Elliott Sharp und Scott Fields auf akustischen Instrumenten. Ihre Musik streng mathematischer Strukturiertheit, freier Improvisation und immer wieder frei tonaler Ausrichtung klingt spröde und besticht doch durch höchste Konzentration (Ostryepolya, PanRec/NotTwo).

Ein wohlklangtrunkener Kracher dagegen ist die Arthaus- DVD mit Friedrich Guldas „Concerto For Cello and Wind Orchestra“ und sein „Concerto For Myself“ in den Münchner Aufführungen von 1988. Mit expressiv exaltiertem Gestus treibt Gulda den Solisten Heinrich Schiff und dann sich selber durch eine genialische Collage von Volksmusik-, Jazz-, Jazzrock- und immer wieder mozartischen Elementen; im Klavierkonzert trifft großorchestrale Wucht auf hinreißende pianistische Zauberei. „Ich bin kein Possenreißer“, sagte Gulda. „Aber a Hund, a kunterbunter war er schoo“, möchte man – vielleicht sogar gegen den Willen begeistert – hinzufügen (Friedrich Gulda: Concerto For Myself, Arthaus Musik).

Thomas Fitterling, RONDO Ausgabe 2 / 2014



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