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John Adams

Century Rolls, Lollapalooza, Slonimsky's Earbox

Emmanuel Ax (Klavier), Cleveland Orchestra, Christoph von Dohnányi, Hallé Orchestra, Kent Nagano

Nonesuch/Warner Classics 7559-79607-2
(49 Min.) 1 CD

Seit vierzig Jahren ist der Minimalismus aktiv, er bietet aber, was seine unermüdlich komponierenden Stars Steve Reich und Philip Glass angeht, schon längst keine überzeugenden Gründe mehr, sich auf ihre austauschbaren Rhythmus- und Motivketten einzulassen. Ein ganz anderes Kaliber ist da John Adams. Immerhin hat er von Oper bis Kammermusik bewiesen, dass ein musikalisches Kunstwerk bei allen Repetitionskünsten tatsächlich noch mit dramatischer Substanz, melodiösem Reichtum und nicht zuletzt feingestricktem Augenzwinkern auftrumpfen kann.
      Zum Beispiel in seinem Klavierkonzert "Century Rolls", das zwar klassisch dreisätzig ist, aber doch mit beiden Beinen fest im 20. Jahrhundert steht. Schließlich ist es eine Hommage an die Gründerzeiten der mechanischen Schallaufzeichung - an die Klavier-Rollen, die das Spiel von Debussy, Fats Waller und Gershwin konservierten. Eine illustre Ahnengalerie von Klassik bis Jazz, die Adams jetzt wieder erweckt hat in diesem virtuos-diabolischen Patchwork. Und in dem der Pianist Emmanuel Ax eine fantastische Hauptrolle spielt. Denn Ax wechselt nicht nur die unterschiedlichen Stilanzüge mit einer unglaublichen Reaktionsschnelligkeit, er springt mit Furor vom sinfonischen Jazz in die Welt des Impressionismus, unterstützt von dem unter Dohnáyis Leitung ebenso draufgängerischen wie zielsicher musizierenden Cleveland-Orchester.
      Selbst die surrealen Noten- und Rhythmuskonstruktionen eines Conlon Nancarrow, die bislang nur ein Player-Piano beherrschte, zwingt Ax in die Knie und bewältigt dabei noch die gefürchteten hansonschen Fingerübungen. Das ist Orchestermusik nahe am Siedepunkt, die in ihrer spannungsgeladenen Vielgesichtigkeit mitreißt. Was auch für die beiden, von Kent Nagano dirigierten Zugaben "Lollapalooza" und "Slonimsky's Earbox" zutrifft, für die unüberhörbar Aaron Copland und Leonard Bernstein Pate standen.

Guido Fischer, 01.12.1999



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