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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Nr. 6, 15 u. 27

Pierre-Laurent Aimard, Chamber Orchestra of Europe

Warner Classics 2564 62259-2
(77 Min., 7/2005) 1 CD

Wenn schon B-Dur in Kombination, dann favorisieren Pianisten am liebsten die letzten beiden Konzerte Mozarts KV 456 u. 595. Da aber Pierre-Laurent Aimard nicht Jedermann ist, schlägt er jetzt einen Bogen von dem schwungvoll unbekümmerten B-Dur-Konzert KV 238 über das in voller Reife stehende Konzert Nr. 15 KV 450 bis eben zum Höhepunkt Nr. 27 mit all seinen Stimmen- und Stimmungsspannungen. Mit dem Programm liefert Aimard zumindest in der Theorie und schon mal als vorgezogenen Geburtstagsgruß auf Mozarts 250. im Januar 2006 einen interessanten Überblick über das, was Mozart zwischen 1776 und 1791 dieser Tonart für die Klavierkonzert-Gattung abgewinnen konnte. In der praktischen Umsetzung hingegen bringt Aimard in Personalunion aus Solist und Dirigent kaum schlagende Argumente für die unterschiedlichen Profile und damit für den kompositorischen Prozess überhaupt.
Nicht, dass Aimards Haltung nicht ohne Wirkung und Reiz ist. Mit seinem perfekten Non-Legato-Spiel kann er Linien und Atmosphäre sensibel und flexibel nachzeichnen, ist besonders in den Mittelsätzen ein höchst kantables Musizieren Trumpf. Dass Aimard sich in diesen introvertierten Sphären wohlfühlt, ist beispielhaft im "Andante" des 15. Konzertes mehr zu beobachten als zu erspüren, ist sein Ton plastisch singend und von einer pianistischen Differenziertheit, die an die goldenen Gulda-Zeiten erinnern. Wie sein österreichischer Kollege will Aimard hier nichts hineingeheimnissen oder gar dämonisieren (Larghetto KV 595), sondern die Modernität des klassischen Schönheitsideals aufzeigen. Das vorsichtig durch die intellektuelle Brille beäugte Partiturmaterial verliert jedoch damit seine erzählerische Einzigartigkeit, das Prinzip des Unaufdringlichen, Geschmeidigen und Feingegliederten wird zu einer Allzweckwaffe für alle drei Konzerte. Zumal Aimard auf brillante Eckpfeiler und Effekte gänzlich verzichtet und Mozart so auch um sein Temperament bringt. Dass ihm das kontrolliert wirkende Chamber Orchestra of Europe in diese Einbahnstraße blindlings gefolgt ist, erstaunt daher doppelt.

Guido Fischer, 26.11.2005



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