Responsive image
Robert Franz

Songs By Robert Franz

Robin Tritschler, Graham Johnson

Hyperion/Note 1 CDA 68128
(77 Min., 2 & 12/2015)

Robert Franz ist ein typischer Komponist aus der zweiten Reihe: Sein Können ist weit mehr als nur solide, allenfalls fehlt seinen Liedern – rund 350 hat er hinterlassen – der alles andere in den Schatten stellende Genieblitz, von dem Schubert und Schumann doch mit schöner Regelmäßigkeit getroffen wurden. Franz‘ „Rastlose Liebe“ nach Goethe ist kaum weniger mitreißend als die von Schubert, sprachlich setzt er gelegentlich andere Akzente. Neun der sechzehn Heine-Gedichte, die Schumann zur „Dichterliebe“ bündelte, vertonte nach ihm auch Robert Franz – Tritschler und Johnson haben sich den Spaß erlaubt, sie in gleicher Reihenfolge ins Zentrum ihres Franz-Rezitals zu stellen.
Manches ging Franz ähnlich an wie Schumann, anderes – beispielsweise „Im Rhein, im heiligen Strome“ erfährt bei ihm eine ganz andere musikalische Ausdeutung. „Im wunderschönen Monat Mai“ klingt hier und da kurz an Schumanns Vertonung an, geht aber stets sofort wieder eigene Wege. Häufig brauchte Schumann weitaus weniger Töne, um zu einer sehr prägnanten musikalischen Erfassung des Textes zu gelangen – hierin liegt vielleicht sein „Plus“ an Genialität. Insgesamt aber lohnt es sich allemal, diesen bunten, üppigen Strauß an Franz-Liedern aus den Händen von Robin Tritschler und Graham Johnson entgegenzunehmen. Johnson liefert neben seiner gewohnt differenzierten Begleitungsleistung auch wieder ein ausführliches (einsprachig englisches) Beiheft mit hilfreichen Einführungen zu allen Gesängen. Tritschler stellt seine ganz im Innern stets vor Intensität glühende, bei „Bedarf“ aber stets auch weich ummantelte Tenorstimme mit großer Hingabe und Leidenschaftlichkeit in den Dienst dieses unbekannten Repertoires. Seine irische Herkunft (aber klingt nicht sein Nachnahme verdächtig deutsch?) ist deklamatorisch nur an winzigen Details erkennbar – insgesamt hat er das deutsche Idiom und sein Melos-Werden in diesen wunderbaren Gesängen voll und ganz verinnerlicht. Ein Genuss vom ersten bis zum letzten Ton.

Michael Wersin, 08.07.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top