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Vinko Globokar

Exil 3: Das Leben des Emigranten Edvard (Musica Viva Vol. 27)

Peter Eötvös, Chor des BR, Symphonieorchester des BR, Piia Komsi, Bruno Ganz, Michael Riessler, Vinko Globokar

NEOS/harmonia mundi NEOS11627
(50 Min., 2/2015) SACD

Der Titel von Vinko Globokars oratorienhaftem Stück „Exil 3“ führt zum Glück auf die falsche Fährte. Obwohl das Werk Anfang 2015 in München entstand, hat sich der französische Komponist mit slowenischen Wurzeln nicht auf tagespolitischem Glatteis bewegt und einen wie auch immer gearteten, von parolenhafter Simplizität durchsetzten Kommentar zu Auswanderung und Fluchtbewegung abgeliefert. Globokars Stück für Orchester, großen Chor, Sopran, Erzähler, Kontrabassklarinettisten und Improvisator ist vielmehr eine zeitlos gültige Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Exil“. Globokar hat dafür eine vielsprachige Textcollage aus einer Sammlung mit Gedichten über das Exil zusammengestellt, die von Ovid bis Brecht reichen. Und um den Hörer quasi in die Rolle eines Exilanten zu versetzen, der die Sprache seiner neuen Heimat nicht versteht, lässt Globokar die einzelnen Gedichtzeilen etwa auch in ihrer russischen Originalsprache singen. Mit einer extrem entflammten Intensität, die an die beklemmenden sowie zugleich anklagenden Vokalismen eines Luigi Nono erinnern, stellt nun in dem Münchner Live-Mitschnitt Sopranistin Piia Komsi im Wechsel mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks diese Sehnsuchtsverse in einen oftmals orchestral grell ausgeleuchteten Klangraum. Nur zwischendurch wird man Ohrenzeuge einer individuellen, von Bruno Ganz vorgetragenen Schicksalsgeschichte. „Das Leben des Emigranten Edvard“ stammt vom Komponisten und mag sicherlich so manche autobiografischen Züge besitzen. Und wenngleich Globokar zumindest da an sein großes, bereits vor dreißig Jahren entstandenes und von konkreten Lebensschicksalen erzählendes Triptychon „Les émigres“ anknüpft, steckt die eigentliche aufwühlende Kraft von „Exil 3“ auch dank des von Peter Eötvös überragend eingestellten und koordinierten Teams zwischen den Noten-Zeilen.

Guido Fischer, 15.07.2017



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