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Henry Purcell, John Playford u.a.

The Alehouse Sessions

Bjarte Eike, Barokksolistene

Rubicon/harmonia mundi RCD1017
(54 Min., 1 & 5/2016)

Die Briten spinnen. Nicht, weil sie der EU bye-bye gesagt haben. Doch gerade wurde die klassische Party-Scheibe „The Alehouse Sessions“ tatsächlich aus den offiziellen UK-Klassik-Charts einfach wieder rausgeschmissen. Grund: Die Songs und Instrumentalstücke, die immerhin auch aus den Federn von Henry Purcell und John Playford stammen, wären zu folky, zu volkstümlich. Sieht man einmal davon ab, dass daher ab sofort wohl auch „Follia“-Sausen etwa mit Jordi Savall oder Christina Pluhar wohl kaum mehr gelistet werden dürfen, werden die „Alehouse Sessions“ sich garantiert auch in England zum Hit entwickeln. Denn was die vom norwegischen Barockgeiger Bjarte Eike angeführten Barokksolistene alias „The Alehouse Boys“ da an Guter Laune-Musik auf die Pub-Bretter gebracht haben, ist so spritzig und gehaltvoll wie ein frischgezapftes Bier. Womit wir schon beim thematischen Dreh- und Angelpunkt dieser etwas anderen historischen Aufführungspraxis sind. Mit seinen acht Bandmitgliedern, zu denen Barockgitarrist Steven Player und Sänger Thomas Guthrie gehören, hat Eike nämlich die musikalische Kneipenkultur im London des 17. Jahrhunderts wieder auferstehen lassen. Und passend zum dauerfließenden Gerstensaft wurden damals all die Sauf- und Tanzlieder gegrölt und geschmettert, die jetzt für die „Alehouse Sessions“ frisch arrangiert worden sind. Natürlich geht es bei den traditionellen Shantys ausgelassen zu wie auf einem Irish Folk-Festival. Zwischendurch streuen die Musiker aber auch so manche tänzelnde Weise wie eine Hornpipe von Purcell ein, die bis heute in den Kneipen etwa in Schottland zu hören ist. Die eigentliche Trumpfkarte dieser Aufnahme ist aber der unüberhörbare Spaß, den die Musiker sogar im Aufnahmestudio hatten. Und so könnte man glatt annehmen, dass diese wilde Barockgang sich auch mit Hochprozentigem zugeprostet hat, bei den Liedzeilen: „Reicht den Grog herum, die Menge ist egal, trinkt den guten Schnaps recht schnell, mehr woll´n wir allemal“. Cheers!!!

Guido Fischer, 22.07.2017



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