Responsive image

Dock in Absolute

Dock in Absolute

CamJazz/harmonia mundi CAMJ 3320-2
(61 Min., 12/2016)

Der luxemburgische Pianist Jean-Philippe Koch hat offenbar ein starkes Faible für musikalische Dreierkombinationen – und das genreübergreifend. Im Trio Koch spielt er gemeinsam mit seinem Vater Philippe und seiner Schwester Laurence selten aufgeführte Stücke, die unter anderem Bach, Bartók oder Berio für zwei Geigen und ein Klavier geschrieben haben; mit dem Dreierbund „Dock In Absolute“ lotet er zusammen mit dem Bassisten David Kintziger und dem Schlagzeuger Michel Meis die Möglichkeiten des deutlich gängigeren Piano-Trio-Formats im Jazz aus.
Es wäre von dem CamJazz-Debütalbum der drei jungen Musiker natürlich zu viel verlangt, dass es die spätestens seit dem Auftauchen von Brad Mehldau beliebteste Spielwiese des zeitgenössischen Jazz komplett neu kartografieren und bepflanzen würde. Koch, Kintziger und Meis machen vielmehr lustvoll und energetisch Gebrauch von den Erfolgsrezepten der Vorgänger und Mitbewerber.
Koch, Bandkopf und Komponist fast aller Stücke auf der CD, zeigt, dass er mit Mehldaus magischer Unabhängigkeit der Hände genauso vertraut ist wie mit der hypnotischen achtelbasierten Popmelodik von „Coldplay“. Während der Pianist seiner vernehmlich aus der Klassik geborgten Virtuosität mit flirrender Fingerfertigkeit freien Lauf lässt, agiert sein Spezialist für die tiefen Töne extrem zurückhaltend. Kintziger lässt seinen E-Bundbass sparsam im Geiste Steve Swallows schnurren, und selbst in seinem Solostück „Elemental Breathing“ sind ihm luftige Akkorde und klare Linien wichtiger als 16tel-Angeberei.
Schlagzeuger Meis schließlich stellt mit seinem Instrument die originellsten Sachen an. Mal lässt er die HiHats dumpf rasseln wie ein Maschinengewehr („Soul Sculpture“), mal dekonstruiert er grinsend einen Disco-Beat („Sparkling Summer“).
Es ist letztlich diese Mischung aus unterschiedlichen Charakteren und der Sinn für überraschende dynamische Verläufe, die „Dock In Absolute“ so besonders macht – auch Luxemburg hat etwas Frisches zum scheinbar nicht enden wollenden Piano-Trio-Hype beizutragen.

Josef Engels, 29.07.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top