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The Passion Of Charlie Parker

Gregory Porter, Madeleine Peyroux, Melody Gardot, Kurt Elling, Barbara Hannigan u.a.

Impulse/Universal 5742176
(51 Min.)

Man kennt das ja: Gibt es irgendein Jubiläum, werden mehr oder minder zum Thema passende Aufnahmen von populären Künstlern schnell zu einer Tribut-Kompilation zusammengestrickt und auf den Markt geworfen. In diesem Fall verhält es sich jedoch anders.
Zum einen liegt der traurige Gedenktag, der 60. Todestag von Charlie Parker, nun auch schon wieder zwei Jahre zurück. Zum anderen verfolgte Produzent Larry Klein bei seiner mit lauter bekannten Vokalisten wie Gregory Porter, Madeleine Peyroux, Melody Gardot, Kurt Elling oder der klassischen Sopranistin Barbara Hannigan gespickten Hommage an die Galionsfigur des modernen Jazz einen ganz eigenen Plan.
Der doppeldeutige Titel „The Passion Of Charlie Parker“ macht es deutlich: Das Album verhandelt eben nicht nur die Leidenschaft des Bebop-Erfinders, sondern auch seine Leidensgeschichte. Das Album ist ein Passionsspiel, das man sich durchaus auch als Bühnenstück oder Experimentalfilm vorstellen könnte. Schauspieler Jeffrey Wright, den man von der Leinwand unter anderem als Basquiat und aus dem Serienstream „Westworld“ kennt, spricht, spielt und singt Parker mit seiner markanten, biegsamen und brunnenlochtiefen Stimme. Er beklagt sich über die Heimatstadt Kansas, die ihren größten Sohn vertrieb, oder durchlebt würdevoll die Seelenpein, die das in Kalifornien gestrandete Drogenwrack kurz vor seiner Einweisung in eine Nervenheilanstalt bedrängte.
Wrights instrumentales Pendant ist kein Altsaxofonist, wie man es vielleicht hätte erwarten können, sondern Donny McCaslins unermüdlich kommentierendes und solistisch auf- und davonfliegendes Tenorsax. Und das ist ungeachtet der beachtlich beboplinienaffinen und scatlustigen Gesangsstars der eigentliche Held der Aufnahme. Gemeinsam mit einer fabelhaften Begleiterriege, der u.a. Pianist Craig Taborn, Gitarrist Ben Monder oder Schlagzeuger Eric Harland angehören, findet McCaslin eine geeignete Balance zwischen der respektvoller Wiederbegegnung mit Bird-Klassikern wie „Ornithology“ oder „Au Privave“ und einem zeitgenössischen Appeal mit Reharmonisierungen und in weiter Ferne dämonisch grollenden Rockgitarren.
Produzent Larry Klein trieb die Frage um, wie Charlie Parker wohl klänge, wenn er noch leben würde. Und ja: warum nicht so wie auf diesem Album, das weit mehr ist als eine schnöde Kompilation?

Josef Engels, 19.08.2017



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