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André Cluytens: The Complete Orchestral & Concerto Recordings

André Cluytens, Aldo Ciccolini, Dietrich Fischer-Dieskau, Zino Francescatti, Samson François, Nicolai Gedda, Emil Gilels, Marguerite Long, Victoria de Los Angeles, David Oistrach, Dmitri Schostakowitsch

Erato/Warner 9029588669
(4 Min., 1943 - 1966) 65 CDs

Schwer zu sagen, was eigentlich seine Faszination ausmacht – die trotzdem beständig da, zu hören ist. Es ist wohl diese besondere Mischung aus Bescheidenheit und Objektivität, Disziplin und Temperament, genauer, zielgerichteter Partiturexegese und freiem, doch spezifischem Umgang damit. Und so findet sich in dem eindrucksvollen Klangerbe des belgisch-französischen Dirigenten André Cluytens (1905-67), der nicht nur einer der prägenden Plattenstars der 50er und 60er Jahre war, sondern eben auch ein besonderer Interpret sowohl des Kanons als auch frankophoner Raritäten, eigentlich kein Ladenhüter. Fast alles ist erstklassig, was Warner Classics jetzt als Hüterin der EMI-Kataloge in einer feinen 64-CD-Box anlässlich von Cluytens’ 50. Todestag herausgebracht hat. Die große Wagner-Interpretin Anja Silja, seine letzte Lebensgefährtin, beschreibt ihn im Booklet so: „Er war einer der elegantesten Dirigenten, denen ich je begegnet bin, souverän, mit großer Autorität und, man kann fast sagen, mit einer fast hypnotischen Ausstrahlung. Sein Enthusiasmus und die Freude an seinem Beruf übertrug er auf seine Musiker und Solisten, die ihn bewunderten und liebten. Man tat alles, um ihn künstlerisch nicht zu enttäuschen!“
„André Cluytens: The Complete Orchestral & Concerto Recordings“ umfasst alle seine orchestralen, konzertanten und Choreinspielungen, nur seine Operndirigate wurden ausgelassen. Dabei war er der erste französische Dirigent, der in Bayreuth antrat, und auch seine bis heute gültige, dunkel-glühende erste Komplett-Einspielung aller neun Beethoven-Sinfonien mit den Berliner Philharmonikern entstand vor Herbert von Karajan. Sein früher Tod mit 62 Jahren verhinderte den ganz großen Nachruhm, auch produzierte er sich medial eher zurückhaltend.
André Cluytens war vor allem ein Spezialist für französische Komponisten, was sich hier breit manifestiert in zahllosen Referenzaufnahmen der Werke von Berlioz, Franck, Ravel, Massenet und Saint-Saëns, aber auch von Unbekannteren wie d'Indy, Pierné, Bondeville, Nigg und Laparra. Auf 35 Mono- und 30 Stereo-CDs sind mehr als 70 Komponisten vom Barock bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts präsent, vieles hat er mehrfach eingespielt. Sechs Werke erklingen hier zum ersten Mal, 44 gab es vorher noch nicht auf CD, alle sind makellos remastered. Und auch die Solisten lassen den Kenner mit der Zunge schnalzen: Aldo Ciccolini, Dietrich Fischer-Dieskau, Zino Francescatti, Samson François, Nicolai Gedda, Emil Gilels, Marguerite Long, Victoria de Los Angeles, David Oistrach, Dmitri Schostakowitsch, Solomon … Für knapp 100 Euro – ein echtes Schnäppchen.

Matthias Siehler, 26.08.2017



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