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Hanns Eisler

Lieder Vol. 1

Holger Falk, Steffen Schleiermacher

MDG/Naxos MDG 613 2001
(76 Min., 2017)

Arbeiterchor-Gründer und Exilant, Brecht-Gefährte, Schönberg-Schüler und Komponist der DDR-Hymne – das sind nur einige Stationen im Leben des Hanns Eisler gewesen. Von diesem deutschen Komponisten, dem es zwar stets um den aufrecht sozialistischen Gedankengang ging und der dabei doch regelmäßig versuchte, dem stumpfen Propaganda-Ton Melodien von künstlerischem Wert entgegenzusetzen. Rund 500 Lieder hat Eisler komponiert. Und darunter finden sich zahllose, die im Laufe der jüngeren Geschichte einen enormen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Das gilt für das „Solidaritätslied“ genauso wie für das „Lied von der belebenden Wirkung des Geldes“ oder das „Einheitsfront-Lied“. Und auch heute wird so manchem Genossen warm ums Herz, wenn er diese Stücke noch einmal vom Eisler-Sänger schlechthin, von Ernst Busch, oder sie in irgendwelchen Retro-Revues über die deutsch-deutsche Geschichte serviert bekommt. Nun haben der Bariton Holger Falk und der vorrangig auf die Moderne spezialisierte Pianist Steffen Schleiermacher die erste von insgesamt vier Folgen mit ausgewählten Eisler-Liedern vorgelegt. Und bei den insgesamt 27 Songs und Balladen aus den Jahren 1929 bis 1937 tauchen bereits all die Ohrwürmer auf, die Eisler vor allem auf Gedichte von Brecht komponiert hat. Doch Falk wollte bloß nicht zum zweiten „Barrikaden-Tauber“ mutieren, wie damals Busch auch genannt wurde. Wer etwa das Album rückwärts aufzäumt, beim „Einheitsfront-Lied“, der lernt Falk & Schleiermacher als ein eher lustlos dahinmarschierendes Duo kennen. Kampfesfreude kommt da bestimmt nicht auf. Als Parodie haben die Musiker dieses wie auch viele der anderen Lieder aber nicht angelegt, bei denen die Texte bisweilen doch arg vermufft daherkommen. Lieber haben sie dem sagenhaft facettenreichen, von nachdenklich bis jazzig reichenden Eisler-Ton nachgespürt, der seine eigentliche Wirkung abseits der Straße und erst im Konzertsaal erzielt. Holger Falk ist dafür nicht nur in Deklamation und Textverständlichkeit vorbildlich aufgestellt. Er beherrscht vom charmant-hintergründigen Augenzwinkern bis zum fahl Verzweifelten all die Stimmungen, wie sie in den Kunst- und weniger in den Gebrauchsliedern jener Zeit zu hören und zu genießen waren.

Guido Fischer, 02.09.2017



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