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Anton Reicha

Kammer- und Klaviermusik

Solistes de la Chapelle Musicale Reine Elisabeth

Alpha/Note 1 ALP369
(177 Min., 2 & 4/2017) 3 CDs

Gerade einmal 15 Jahre alt war der gebürtige Böhme Anton Reicha bzw. Antonín Rejcha, als er seine erste Festanstellung antrat. In Bonn bei der kurköllnischen Kapelle, wo er als Flötist in Hörweite zu dem damals die Bratsche spielenden Beethoven saß. Fortan hielten beide engen Kontakt, vor allem in den gemeinsamen Wiener Jahren. 1808 sollten sich aber ihre Wege trennen. Reicha ging nach Paris und machte dort Karriere. Als Komponist sowie ab 1818 als Professor am Conservatoire. Und seine Schüler lesen sich wie ein Who´s Who auch der französischen Musikgeschichte. So unterrichtete er neben Liszt immerhin Hector Berlioz, Charles Gounod und César Franck. Heute verbindet man mit Reichas Namen vor allem seine Bläserquintette. Doch im Laufe seines 66 Jahre währenden Musikerlebens ist nicht nur ein stattlicher Werkkatalog entstanden. Gerade was die Kammermusik angeht, finden sich immer wieder Stücke, die Reichas Lust am Experiment unterstreichen. „Ich hatte immer einen großen Hang, Außerordentliches in der Komposition zu machen“, so Reicha einmal. „Nie gelang es mir besser, als wenn ich Kombinationen machte und Konzeptionen versuchte, die meine Vorgänger nicht gemacht hatten.“ Ein Originalitätspreis gebührt ihm nachträglich etwa für ein Trio, bei dem ausschließlich Violoncelli über vier Sätze lang sich dreistimmig umspielen und umgarnen. Aber auch ein Streicherquintett mit doppelt besetzter Bratsche lässt keine Wünsche offen, was das gehaltvolle Ausloten neuer Klangkombinationen angeht.
Allein diese beiden Werke lohnen die vielleicht für manche erste oder neuerliche Beschäftigung mit einem Komponisten, dem jetzt ein ungewöhnliches Musikerteam gleich ein 3 CD-Porträt gewidmet hat. Denn es sind ausschließlich Studenten und Professoren von der belgischen Musikhochschule Chapelle Musicale Reine Elisabeth, die sich auf allerfeinstem Niveau mit dem Wiener und Pariser Kammer-, aber auch mit dem Klaviermusikkomponisten Reicha beschäftigt haben. Angefangen vom Streichquartett op. 95/I, das besonders den Einfluss Haydns erahnen lässt, bis zu einem Klaviertrio. Und eine ganze CD überrascht mit kleinen und gelungenen Meisterwerken für Klavier. Dazu gehört unbedingt – in einer Weltersteinspielung – eine Klaviersonate, die mit einem traumhaft schönen Variationssatz über das „Priester“-Thema aus dem 2. Akt aus Mozarts „Zauberflöte“ eröffnet wird. Nicht weniger gelungen fallen aber die Variationen über ein Thema aus Glucks „Armida“ aus – und schon deshalb, da Reicha nicht der brillanten Klaviersalon-Mode nacheifert, sondern mit ganz eigenem Geschmack verblüfft.

Guido Fischer, 30.09.2017



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