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Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 2, Tragische Ouvertüre, Akademische Festouvertüre

Paavo Järvi, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

RCA/Sony 88985459462
(67 Min., 3 & 4/2015, 3/2016)

Mit einer pastoralen, in mildes Streicherlicht getauchten Morgenstimmung beginnt die 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Die Geigen schlängeln sich wie ein Gebirgsfluss hindurch. Ruhig, klar, einladend. Und dann schon fast kitschig schön: das von den Flöten ausgelöste Erwachen der Natur. So steht es bei Brahms, und so hört man es nun auch, in der Neueinspielung durch eines der Dreamteams für große sinfonische Aufgaben und Herausforderungen. Nach ihren Beethoven- und Schumann-Zyklen läuten Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit diesem Album die Gesamtaufnahme der Brahms-Sinfonien ein. Natürlich knüpft man an die Erfolgsrezepte vergangener Einspielungen an, um über Tiefenstaffelung und Transparenz, Brillanz und Farbenreichtum auch diesem verzweigten Brahms-Organismus gerecht zu werden. Dazu gehören dann eben auch solche schlank ausmusizierten, delikat schönen Einstiege – bevor zum ersten Mal etwas von der Brahmsschen Wucht aufkeimt, die all das Friedvolle gehörig in Frage stellt. Dieses Mit- und Gegeneinander von Stimmen und Stimmungen wird in seiner Klarheit und Eindeutigkeit ungemein vielversprechend angepackt und macht dementsprechend neugierig auf den Rest dieser Brahms-CD, die von „Tragischer Ouvertüre“ und der „Akademischen Festouvertüre“ abgerundet wird. Ein Versprechen, das gehalten wird. Denn Järvi & Co. schaffen es einmal mehr, unaufgeregt kultiviert, ohne agogische Drahtseilakte und rhythmische Extravaganzen die Aufmerksamkeit unmittelbar auf ein Werk zu lenken, das bei aller Vertrautheit in einem eine gewisse Unruhe auslöst. Nichts ist nämlich bei dieser Aufnahme lange so, wie es scheinen mag und wie man es zuhauf gehört hat. Und selbst das zunächst stürmische und melossatte Finale kommt mit einer bohrenden Intensität daher, mit der man zu Recht noch einmal einen Bogen zurück zu Beethoven schlägt. Beeindruckend fallen dann auch die beiden Dreingaben aus – vor allem die „Tragische Ouvertüre“ mit ihrer unerbittlichen Spannkraft, Präzision und Prägnanz.

Guido Fischer, 11.11.2017



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