Responsive image
Franz Schubert, Karol Szymanowski

Klaviersonaten

Lucas Debargue

Sony 88985465632
(68 Min., 7/2017)

Am größten war der Rummel um ihn vor zwei Jahren. Kaum hatte Lucas Debargue als Viertplatzierter beim Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb von sich reden gemacht, standen auch Kamerateams bei ihm Schlange, um diesen hochtalentierten Pianisten-Spätstarter und No-Name genauer unter die Lupe zu nehmen. Zudem gab es für den damals „schon“ 26-jährigen Franzosen einen Schallplattenvertrag bei einem Branchenriesen. Nun ist Debargues bereits dritte Einspielung erschienen. Und wie auf seinen Vorgängeralben sorgt er erneut für musikalisch extreme Kontraste. Auf die beiden Klaviersonaten A-Dur D 664 & a-Moll D 784, die aus Franz Schuberts mittlerer Schaffensperiode stammen, lässt Debargue die nur allzu selten gespielte, 1911 uraufgeführte 2. Klaviersonate A-Dur op. 21 des Polen Karol Szymanowski folgen. Knapp ein Jahrhundert liegt zwischen diesen Klavierwelten. Und auch wenn es klangsprachlich kaum eine verbindende Klammer gibt, mag man doch allen drei Werken ein heftig pulsierendes Tragödienherz attestieren. Szymanowski greift dafür immer wieder in die Vollen, um sein Sonatengebilde selbst da schauerlich unter Starkstromspannung zu setzen, wo es auf kontrapunktischen Wegen heftig zuckt. Dass das Werk nichts für schwache Nerven ist, liegt aber auch an Debargues fulminant funkensprühendem wie skrijabinesk entrücktem Spiel, mit dem er dieses absolut zu Unrecht verkannte Werk rehabilitiert. Solche Anschubkräfte haben die beiden um ein Vielfaches populäreren Schubert-Sonaten natürlich nicht nötig. Hier erweist sich Debargue als ein kluger und empfindsamer Gestaltungskünstler, der sich immer wieder Zeit nimmt, um innezuhalten und in aller Ruhe ergreifende Sehnsuchtsräume zu schaffen, die – wie etwa das Andante der A-Dur-Sonate – Mozartsche Abgründe besitzen. Großes Klavierspiel ist auch das.

Guido Fischer, 23.12.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

[…] mehr »


Top