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Carl Philipp Emanuel Bach

Orgelkonzerte, Orgelsonaten

Rainer Oster, Ensemble Parlando, Margarete Adorf

DHM/BMG 82876 51863-2
(126 Min., 05/2002) 2 CDs

Allzu schlecht kann Prinzessin Amalie von Preußen, die Schwester Friedrichs II., nicht Orgel gespielt haben: Zwar enthalten die Stücke, die Carl Philipp Emanuel Bach für sie schrieb, keine Pedal-Partie, aber die Kunst des Pedalspiels war dem Sohn eines der größten barocken Orgelvirtuosen selbst abhanden gekommen, wie er gegenüber Charles Burney zugab; allerdings enthalten die Sonaten und Concerti für Amalie besonders in der rechten Hand ausgedehntes Passagenwerk, das zu bewältigen eine nicht unerhebliche Fingerfertigkeit erfordert.
Das musikalische Material klingt häufig noch sehr deutlich an die barocke Tonsprache an, Fortspinnungspassagen und Sequenzenketten erinnern ebenfalls an Älteres. Gleichzeitig verhindert Bach aber konsequent und permanent jedes motorische Selbstläufertum, indem er das Material nicht linear, sondern mittels Kontrasten auf verschiedenen Ebenen eher in analogen Entwicklungszügen entfaltet. Rainer Oster widmet sich diesem Phänomen auf der Basis einer an der musikalischen Rhetorik orientierten Spielweise und setzt somit auf barocke Aufführungsmaximen, die sich als ausgesprochen brauchbar auch für den empfindsamen Stil erweisen, bringen sie doch überzeugend den Ausdrucksgehalt und das neuartige “Wollen” dieser bei eingehenderer Beschäftigung immer faszinierenderen Musik zum Vorschein. Das Ergebnis ist ein höchst ambitionierter, als vollkommen geglückt zu bezeichnender Versuch, C. P. E. Bach aus seiner musikwissenschaftlichen Nische als Sohn eines großen Vaters und wackeren Wegbereiter einer erst nach seinem Tod beginnenden neuen großen Zeit herauszuholen.

Michael Wersin, 01.01.1970



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