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Purple Jazz

Das Böse Ding

JazzHausMusik JHM 135
(62 Min., 2003, 2004) 1 CD

Das Stück heißt "Bad Giant" und klingt zunächst wie eine Mischung aus Punk-Rock und Bebop auf Schweineorgelgrundlage. Dann aber schält sich ein düsterer Männerchor aus dem Chaos und grunzt unversehens eine an sich ehrenwerte Melodie: John Coltranes Gottesanbetungs-Mantra "A Love Surpreme". Nur der Text stimmt nicht ganz. "Das Böse Ding" skandieren die vier Herrschaften aus den Untiefen Nordrhein-Westfalens; na ja, so heißt es schließlich, dieses schlag- , zupf- und blas-phemische Quartett, das unlängst seinen zehnten Geburtstag feierte.
Als Geschenk haben sich Saxofonist Jan Klare, E-Bassist Hartmut Kracht, Schlagwerker Wolfgang Eckholt sowie Bandneuling, Keyboarder und Trompetenaushilfe Martin Scholz ein CD-Menü angerichtet, das aus lauter geschlachteten heiligen Kühen besteht. Dann mal guten Appetit: Jimi Hendrixens "Manic Depression" verdient endlich seinen Namen, Ornette Colemans selbstbewusste Prophetie aus dem Jahr 1959 wird in einen melancholisch-hüftoperierten "Shape Of Jazz That Was" umgedeutet, und John Coltrane - aber das hatten wir ja schon.
Das Böse Ding macht nun mal Meta-Punkjazzfusion der gemeinsten Sorte; will heißen: der Viererbund lullt den Zuhörer mal gerne kurz und virtuos ein, um ihm den Swing und den 70er-Jahre-Art-Rock dann mit windschiefen Metren und heiser brüllenden Instrumentarium nur so um die Ohren zu klatschen. Zur Beruhigung: ganz so bescheuert wie die zwischen Monty Python und Musikermummenschanz oszillierende CD-Umhüllung sind die Kompositionen nicht. Aber fast.

Josef Engels, 08.01.2005



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