Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart Arias

Magdalena Kožená, Orchestra of the Age of Enlightenment, Simon Rattle

Archiv Produktion (DG/Universal) 477 6272
(67 Min., 12/2005) 1 CD

Mit einer Mozart-CD meldet sie sich nach ihrer Babypause zurück, die angenehm unaufdringliche Mezzosopranistin Magdalena Kožená, die nie die große Diva gab. Im Gegenteil, kaum eine Sopranistin ihrer Qualität agierte so im internationalen Klassikglamour. Kenner wussten um ihre erstaunlich sicher geführte Stimme, ihre ungekünstelte Ausdrucksstärke, ihre einnehmende Bühnenpräsenz. Fast ein wenig harmlos eröffnet sie den Mozart-Arienreigen mit "Giunse alfin il momento" aus dem Figaro. Aber schon im übernächsten Stück, in "Voi che sapete", klingt sie wesentlich entschiedener, fast ein wenig streng in der Tongebung. Da geht sie dann auch über ihre Gestaltungsvorgabe hinaus, Mozart solle so einfach klingen, dass jeder meint, er könne es auch. Doch diesmal, ganz in der Opernrolle gefangen, legt Kožená gehörigen Nachdruck in die Stimme, setzt von Anfang an Verzierungen, die eher inhaltlich-gestische Akzentuierungen sind. So kann das nicht jeder. Aus der anfänglich fast lieblich-gefälligen Rokoko-Figur wird immer mehr die im dramatischen Geschehen verwurzelte, nicht nur mitwirkende und beschreibende Sängerin und Hauptakteurin. Dabei scheint sie ganz bewusst ein bisschen unter ihren Möglichkeiten zu bleiben, denn ihre Technik ist makellos, es gibt keinerlei hörbare Übergänge der Stimmlagen, gleichzeitig kann sie aber der kräftigen Höhe und der profunden Mittellage und Tiefe völlig unterschiedliche Klangfärbungen verleihen, oder besser: Klangcharaktere, entsprechend dem textlichen Inhalt und Gestus. Kožená bleibt dabei schon fast atheatralisch seriös. Niemals trumpft sie mit Stimmgewalt oder vordergründigen Überraschungsmomenten auf, stets gestaltet sie aus der Rolle heraus, aus dem tragenden Melos, ja selbst aus dem begleitenden Klavier (Jos van Immerseel) oder dem "Orchestra of the Age of Enlightenment", und stets respektiert sie die Grenzen des musiktheatralisch Machbaren mit eindeutiger Betonung auf den musikalischen Vorgaben. Kurzum, Kožená klingt bei aller Kunstfertigkeit nicht nur wie ein stimmliches Naturtalent, sondern auch wie eine geborene Mozart-Sängerin. Insofern ist ihre Mozart-CD nicht eine weitere, dem Jubeljahr geschuldete Dreingabe, sondern ganz offenbar eine echte Herzensangelegenheit. Dazu passt auch das Begleitensemble unter der wie selbstverständlich verführerischen Leitung von Simon Rattle.

Helmut Mauró, 29.09.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top