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Indiejazz

Martin Auer-Quintet

Jazz4Ever/Sunny Moon
(59 Min.)

Als dem Jazzschlagzeuger Bastian Jütte vor einigen Jahren eine CD der britischen Experimental-Rock-Gruppe Radiohead in die Hände fiel, hatte er ein Aha-Erlebnis. Die Musik berührte ihn in ihrer kaputten Direktheit so sehr, dass er sich eine Gitarre zulegte und anfing, Songs zu schreiben. Wie ein 15-Jähriger habe er sich da gefühlt, schreibt er im Begleittext zum Album "Indiejazz" des Martin Auer Quintetts. Und dann hatte er die Idee: Auch dem Jazz könnten ein paar neue, dreckige Impulse des Independent-Rock nicht schaden.Indiejazz" ist die über weite Strecken gelungene Umsetzung des Gedankens. Man muss sich nur das von Jütte komponierte Titelstück anhören. Da prallt ein melancholisches Popjazzthema mit schwelgerischen Bläsern unversehens auf einen schrammeligen New-Wave-Einschub im 7/4-Takt. Und was der Altsaxofonist Florian Trübsbach aus diesem derben Kontrast in seinem Solo macht, lässt sich an Intensität wahrscheinlich kaum überbieten.Zuweilen gemahnt der "Indiejazz" von Martin Auer (Trompete), Trübsbach, Jan Eschke (Klavier), Andreas Kurz (Bass) und Jütte an den derben Spaßrockjazz, der in Köln Anfang der 90er gepflegt wurde. Dann gibt es wiederum Stellen, die an das Tied & Tickled Trio erinnern. Es ist da nur konsequent, dass sich Johannes Enders, einer der Köpfe der Weilheimer Elektrojazz-Formation, auf "Indiejazz" mit einem Remix beteiligt. Überhaupt haben Martin Auer und seine Mitstreiter nichts dagegen, wenn man ihre Musik am Computer neu sortiert. Insgesamt vier Remixbearbeitungen gibt es auf dem Album zu hören. Zusammen mit den acht Originalbeiträgen des Quartetts kommt dabei eine feine Alternativjazz-Mischung heraus.

Josef Engels, 05.05.2007



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