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Georg Friedrich Händel

Der Messias

Magdalena Kožená, Brian Asawa u.a., Les Musiciens du Louvre Grenoble, Marc Minkowski

Archiv/Universal Classics 471 341-2
(123 Min., 10/1997) 2 CDs

Gardiner, Leppard und Harnoncourt haben schon vor zwanzig Jahren gezeigt, wie Händels Oratorium-Hit ohne Repräsentationspathos funktionieren kann. Mit ähnlich bekennerhaftem Willen zur perfekten Proportion, zur deklamatorischen Beweglichkeit und rhythmischen Schärfe wagt sich nun auch Marc Minkowski an den "Messias". Was bei Minkowksi, der sich schon in jungen Jahren für den unbekannten Opern-Händel einsetzte, kaum eine Überraschung ist. An Stilkompetenz und aufführungspraktischer Reife kann es Minkowski da längst mit den älteren Kollegen aufnehmen. Stattdessen verwundert es, dass er mit dem Werk darüberhinaus nicht viel anzufangen weiß und es eher routiniert als makelloses Vokalconcerto abspult.
Die Aufnahme, die als Soundtrack zum "Messias"-Film des Regisseurs William Klein entstand, besticht zwar in ihrem unprätenziösen Zuschnitt - nur besitzt sie keinen Atem in den in sich versunkenen Lamenti ("He was despited) und kein Gespür für das Fleischige und damit Verwundbare solcher hochvirtuosen Arien wie "Why do the nations". Da muss der Bass Brian Bannatyne-Scott übertrieben affektuöses Vibrato in die Waagschale legen, um halbwegs loderndes Feuer vorzugaukeln, ohne es aber tatsächlich zu entfachen. Zum Vergleich höre man sich nur das technisch hinter Bannatyne zurückbleibende, aber von kräftigen Furioso-Farben tätowierte Ereignis eines Bryn Terfel an.
Ebenbürtige Intensität und verführerische Modulationsfähigkeit sucht man deshalb selbst bei der Minkowski-Muse Magdalena Kožená vergeblich, die ihren Ausdrucksradius nur noch asthmatisch bewältigt. Denn in diesem modisch wirkenden, weil perfekt entschlackt daherkommenden Aktionismus, kann das Blut in den Händel-Adern nicht anders als sofort zu gefrieren.

Guido Fischer, 08.11.2001



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