Responsive image
Georg Friedrich Händel

Le Cantate per il Cardinal Pamphili

Roberta Invernizzi, La Risonanza, Fabio Bonizzoni

Glossa/Note 1 GCD 921521
(66 Min., 10/2005) 1 CD

Im Falle zweier der hier versammelten vier Kantaten Händels muss sich die Solistin Roberta Invernizzi der direkten Konkurrenz einer brillanten Kollegin stellen: Magdalena Kožená nahm "Tra le fiamme" und "Da quel giorno fatale" Ende 1999 in ihrem Händelrezital mit Mark Minkowski auf – und sie hat einfach das üppigere, vollblütigere, unmittelbarer anrührende stimmliche Potenzial, schon die ersten paar Takte machen dies deutlich. Damit ist allerdings die Frage nach der "besseren", der empfehlenswerteren Aufnahme noch nicht geklärt, denn die Gestaltung der Orchesterpartie gelingt Fabio Bonizzoni und dem Ensemble Risonanza wesentlich plastischer und aufregender als Minkowski: Viel tiefenschärfer kommt die Continuogruppe zur Geltung, die Cello-Solopassagen in "Tra le fiamme" wirken ungleich lebendiger, und einen runderen, fülligeren Ton haben auch die Blockflöten. Dasselbe Bild ergibt sich bei "Da quel giorno fatale": Bei Bonizzoni hat der Hörer das aufregende Gefühl, mitten im Orchester zu sitzen, bei Minkowski dringt der Orchesterklang viel blockhafter aus den Lautsprecherboxen. So findet man langsam mehr und mehr Gefallen an der Neueinspielung, die ja außerdem zwei weitere, sehr hörenswerte, bei Minkowski/Kožená nicht enthaltene Kantaten bietet ("Nel dolce del’oblio" und "Figlio d’alte speranze"). Und da man Frau Invernizzi im Vergleich zwar eine gewisse stimmliche Blässe, keineswegs aber fehlendes Engagement vorwerfen kann – sie gestaltet sehr expressiv und entwickelt beim Verzieren bemerkenswerte Kreativität –, wird man sich letztendlich für die vorliegende CD (auch als Alternative zu Koženás "Tra le fiamme" und "Da quel giorno fatale") entscheiden, denn die positiven Aspekte überwiegen unterm Strich.

Michael Wersin, 02.03.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top