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Hans Werner Henze

Der Prinz von Homburg

François Le Roux, William Chochran, Helga Dernesch, Mari-Anne Haeggander, Claes H. Ahnsjö, Hans Günther Nöcker, Bayerisches Staatsorchester, Wolfgang Sawallisch

Arthaus/Naxos 100 164
(105 Min., 1994) Stereo, Format 16:9, DVD 9, PAL, Region Code 2, 5

Er ist ein schlimmer Träumer, dieser Prinz von Homburg: Während der Angriffplan für die Schlacht von Fehrbellin verkündet wird, beschäftigt ihn viel mehr ein roter Handschuh, der der Nichte des Kurfürsten, seines Kriegsherrn, gehört: Der Handschuh erinnert ihn an einen Traum, in dem er die schöne Prinzessin als seine Braut angesprochen hatte. Entsprechend verwirrt, leistet sich der Prinz dann bei den Schlacht den schlimmen Fehler, schon vor Empfang des Befehls zum Angriff zu blasen; zwar zeitigt seine eigenmächtige Unternehmung Erfolg, aber er wird dennoch zum Tode verurteilt. Nur weil er schließlich seine Verfehlung eingesteht und sich einsichtig zeigt, entgeht er der Vollstreckung und bekommt obendrein tatsächlich Prinzessin Natalie als Braut.
François Le Roux stellt den verträumten Prinzen in dieser Inszenierung der Bayerischen Staatsoper – aufgezeichnet 1994 im Münchner Cuvilliés-Theater – auf überzeugende Weise dar: Köstlich etwa sein ständiges Abschweifen während des erwähnten Kriegsrates, bei dem Günther Nöcker als Feldmarschall Dörfling mit kernigem Bariton die Strategie erläutert, während der Prinz bei seiner Angebeteten (Marianne Häggander) Aufmerksamkeit zu erregen versucht. Hans Werner Henzes Sympathien sind natürlich vollkommen auf der Seite dieses ganz unkriegerischen jungen Mannes, der die preußische Ordnung in ein folgenschweres Chaos zu stürzen droht.
Außer den schon Genannten brillieren Claes H. Ahnsjö (Graf Hohenzollern, ein guter Freund des Prinzen), Helga Dernesch (Frau des Kurfürsten) und der im modernen Repertoire bewährte, darstellerisch sehr prägnante William Cochran (Kurfürst) in ihren anspruchsvollen Partien; Wolfgang Sawallisch leitet mit sicherer Hand das Bayerische Staatsorchester, und Nikolaus Lehnhoff inszenierte das Stück schon im Blick auf die Filmproduktion in einem schlichten, aussagekräftig auf das wesentliche konzentrierten Bühnenbild. Henzes Musik schließlich bewährt sich einmal mehr als höchst geeignet für szenische Abläufe: Mit großer Selbstverständlichkeit gelingt die exakte und sensibel-vielschichtige Charakterisierung der handelnden Personen.

Michael Wersin, 06.09.2003



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