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Felix Mendelssohn Bartholdy

Ouvertüre "Ein Sommernachtstraum" op. 21, Sinfonie-Kantate "Lobgesang" op. 52 (Urfassungen)

Anne Schwanewilms, Petra-Maria Schnitzer, Peter Seiffert, GewandhausChor, Chor der Oper Leipzig, Gewandhausorchester, Riccardo Chailly

Decca/Universal 475 6939
(69 Min., 9/2005) 1 CD

Von der Erstfassung seines "Lobgesangs" wollte Felix Mendelssohn schon wenige Monate nach der Uraufführung 1840 nichts mehr hören: Als eine Aufführung in London auf der Grundlage dieser Urversion stattfinden sollte, bat er seinen Freund Klingemann eindringlichst, zu intervenieren und auf der Verwendung der revidierten Fassung zu bestehen. Tatsächlich waren die Veränderungen, die der Komponist an seiner ursprünglich zur Leipziger 400-Jahr-Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst komponierten Sinfonie-Kantate vollzog, durchaus gravierend: Die Abweichungen in Schlusschor und Einzelnummern, die Umgewichtungen und Erweiterungen der Soloanteile (etwa die Einfügung der Tenorsoli "Er zählet unsere Tränen", "Wir riefen in der Finsternis") hatten vor allem den Zweck, dem gut einstündigen Werk eine spannungsvollere Dramaturgie zu verschaffen - während die Erstfassung sich in allzu redundanten Jubelchören erschöpft. Dass sich Riccardo Chailly für sein Antrittskonzert als Leipziger Gewandhauskapellmeister ausgerechnet die "Lobgesang"-Urfassung seines Amtsvorgängers Mendelssohn ausgesucht hatte, war wohl als Huldigung an den Uraufführungsort gemeint - in seiner älteren Einspielung mit dem Berliner RSO hatte Chailly noch die Druckversion gewählt. In erster Linie ist die solistisch durchschnittlich besetzte Live-Aufnahme, der noch die Sommernachtstraum-Ouvertüre (ebenfalls in der Urfassung) beigefügt ist, ein Bekenntnis zum deutschen Orchesterklang. Chailly geht es nicht, wie etwa Christoph Spering in seiner "Lobgesang"-Einspielung, um die historischen Anknüpfungspunkte Mendelssohns bei Bach und Beethoven, eher darum, seine romantische Klangvorstellung mit dem traditionellen, warm-gedeckten Ton der Leipziger umzusetzen und mit den gestiegenen Ansprüchen an virtuose Gruppenfinesse in Einklang zu bringen. Ausdruck und Seele nicht durch Rhetorik, sondern durch den ereignishaften Klang. Ein verheißungsvolles Versprechen.

Jörg Königsdorf, 18.11.2005



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